„Martin, Martin - Du mußt wandern“ …

8. September 2009 um 09:55 Uhr von Tobias

…in Anlehnung an die musikalische Wurzeln meiner Jugend war ein Gedanke, der mir beim WG Besuch von Martin Lindner am Sonntag häufiger durch den Kopf ging.

Aber ich hole ein wenig weiter aus: Wahlprogramme interessieren mich nicht oder haben nur die Bedeutung von Nebenkriegsschauplätzen, denn sind wir mal ehrlich:

Die Bilder, die von allen Parteien gezeichnet werden sind Utopien, die einen Regierungstil beschreiben, der bei einem absoluten Wahlsieg umgesetzt werden würde. Wohlgemerkt: WÜRDE. Wer glaubt noch an ganzjährig blühende Landschaften und Vollbeschäftigung, bei gleichzeitgem Wirtschaftswachstum und sozialer Gerechtigkeit?
Es geht also um Sympathien und die Frage: „Von welchen Leuten kann ich mir vorstellen regiert zu werden und welchen nicht?“ Herr Lindner gibt hier per se kein schlechtes Bild ab:
  • Ralph Lauren Klischee FDP Hemd
  • 7er BMW mit Fahrer
  • keine Lust für die Wechselwähler WG sein Wahlprogramm zu malen visualisieren (er hat wohl auch von den  gezeichneten Utopien gelesen)
  • Besteht auf ein fomales Sie beim WG Vorstellungsgespräch, das sei „wahrscheinlich schon angemessener“

(und das war der erste Eindruck)

Nun, ich hatte zwar den Eindruck, dass er Ahnung hat über Wirtschaftskompetenz verfügt. Und die liberale Idee hat er auch in einem plausiblen Kontext vermittelt. Aber bei einem kleinen Partner möglicher Koalitionen zeigen sich post-apokalyptische post-kapitalismuskritische Abwehrreflexe:

Wahlprogramme und Versprechen zwischen den Zeilen im Wahlkampf werden bei einer möglichen Regierungsbeteiligung  in der Regel nicht umgesetzt bzw. meist nur in dem Umfang, dass einzig  klassische FDP-Zielgruppen davon profitieren und die soziale Allgemeinheit hinten ansteht.

Klassische Klientelpolitik und zum FDP Klientel gehöre ich einfach nicht. Und da sind wir dann bei mir: Klassische Symphatieentscheidungen.

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4 Reaktionen zu “„Martin, Martin - Du mußt wandern“ …”

  1. Tom

    Klasse! Junge Menschen haben doch noch einen moralischen Anspruch, trotz dem Versuch einer neoliberalen Gehirnwäsche in den letzten 20 Jahren, und diesem Anspruch kann diesem kann die FDP einfach nicht nachkommen: Klientelpolitik ist genau der richtige Befund dazu!

    FDP-Wähler sollten sich fragen ob sie glauben, es genüge wenn nur ein kleiner Teil innerhalb der Gesellschaft von dem immensen gesellschaftlichen Wohlstand profitiert. Auf lange Sicht führt dieses kurzfristige Denken zum Zusammenbruch der Gesellschaft - mit fatalen Konsequenzen. Deswegen - Nein zur FDP. Nein zu Klientelismus!

  2. Tobi (extern)

    Disclaimer: Raphael, ich habe hinter deinen Screennamen “Tobi” mal ein (extern) gesetzt, sonst werde ich zum Karsten. Der Beitrag ist unverändert.
    ….
    @Tom:
    Sind Bündnis90 und DIE LINKE etwa keine Klientelparteien? Alle Parteien, bis auf CDU und SPD(?), die sich beide als Volksparteien bezeichnen und ein möglichst großes Klientel bedienen wollen, wenden sich doch nur einer bestimmten Wählergruppe zu. Amüsant ist nur, dass sich aufgeregt wird, wenn das Klientel angeblich nicht dem linken politischen Spektrum zugeordnet werden kann. Dann wird man nämlich automatisch als Unterdrücker von Benachteiligten und Befürworter von Ungerechtigkeit stigmatisiert.
    Zum Thema neoliberale Gehirnwäsche: Witzig, dass die FDP die Partei ist, die im Zuge der Finanzkrise am stärksten an Sympathie hinzugewonnen hat und zudem mit den höchsten Jugendanteil bei Mitgliedern und Wählern hat.
    Ich persönlich hätte mir eine sachlichere Auseinandersetzung gewünscht.

  3. Tom

    @ Tobi. Ok - man muß auch Fehler eingestehen können und den eigenen Blickwinkel relativieren. Das tue ich jetzt. Du hasst Recht - alle Parteien agieren irgendwie als Clientelpartei. Dies einseitig der FDP vorzuwerfen war zu einseitig gedacht von mir. Allerdings sehe ich bei den Linken den Einsatz für eine Klientel (wenn man es so nennen mag), die wirklich eine Stimme braucht, die sie politisch vertritt. Menschen im Niedriglohnbereich (es sind ewta 6 Millionen) habe es nicht leicht ihre Interessen durchzusetzen. Ungleich anderer gesellschaftlicher Gruppierungen und Stände (etwa Ärzte) haben sie kaum Möglichkeiten auf Missstände ihrer Situation aufmerksam zu machen - sie brauchen eine laute politische Stimme. Die Klientel der FDP hat dies im Gegensatz zu Hartz IV und Niedriglöhnern schon durch ihre gesellschaftliche Position. Sie brauchen eigentlich keine Lobby.

  4. Anderer Tobias

    Ich möchte hiermit verkünden, dass ich nicht der “Tobi (extern)” bin, sondern ein anderer Tobi.

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