Da stehe ich nun, ich armer Tor…. - WG-Atmosphäre mit Gottfried Ludewig (CDU)

22. September 2009 um 16:58 Uhr von Ewa

„Der kann nichts“, „Die gesamte Homepage zeigt nur Berlin-Pankow und keine Inhalte“ „Letzte Woche der Bundesvorsitzende der Grünen und die CDU schickt uns jetzt nach ewigem Zögern jemanden, der eh keine Chance hat.“ So ungefähr war das Stimmungsbild im ICE zwischen Hannover und Berlin, wo ich auf meine beiden WG-Mitbewohner Eberhard und Paul traf und wir neben dem CDU-Programm 2009-2013 auch über Gottfried Ludewigs Auftritt bei Anne Will diskutierten. Absolute Unvoreingenommenheit also in unserer hochrepräsentativen WG, in der die Grünen noch nicht mal einen Koalitionspartner zum Regieren bräuchten und die CDU -wenn überhaupt- auf einen Quotenmagneten an unserem Kühlschrank  kommt.

Und dann kommt Gottfried Ludewig auf seiner Vespa angebraust, trinkt Bionade an unserem Küchentisch und entpuppt sich dabei als unterhaltsamer und sympathischer WG-Gast. Wie so jemand zur CDU passt? Ganz gut. - Und das sollte meiner Ansicht nach bei einer Volkspartei immer die Antwort auf diese Frage sein.
Mit Hilfe von Piktogrammen skizziert er die Bildungslandschaft: Bildung statt Kohlesubventionen. So weit, so gut und einhellige Meinung. Kontrovers wird unsere Diskussionsrunde erst, als es um den vorschulischen Bereich und die bestmögliche Integration geht.
Dass eine Prämie für Eltern, die ihre Kinder zuhause erziehen wollen, die Chancengleichheit und Integration positiv beeinflussen soll, erscheint mir mehr als abwegig. Und auch meine Mitbewohner sind nicht überzeugt. Und so sympathisch und erfrischend die sich anschließende impulsive Diskussion zwischen Gottfried und Tobias auch ist, die Skepsis gegenüber der Integrationspolitik der CDU bleibt.

Die Aussagen von Gottfried zum Thema Steuersenkungen nach der Wahl sind in etwa so präzise definiert wie im Wahlprogramm der CDU, also weder nach Zeit noch nach Quantität, stattdessen die allseits bekannten Schlagworte kalte Progression abbauen und Mittelstand stärken. Finanziert natürlich durch das sich daraus ergebende Wachstum. Naja, eine Aussage wird nicht unbedingt glaubwürdiger je öfter man sie hört.

Tja, was also bleibt von diesem Besuch? Die inhaltlichen Probleme, die ich teilweise mit der CDU habe (Sicherheits- und Integrationspolitik), sind noch immer nicht aus der Welt. Dass die CDU nicht nur aus steifen Konservativen besteht, sondern auch genügend Personal hat, die das Image der Partei entstauben können -so man sie denn lässt- ist auch keine neue Erkenntnis.

Und auch wenn ich diese Woche diejenige war, die den schwarzen Quotenmagneten (Nachwirkungen von der grün-schwarzen Cem-Umnebelung) auf unserer bunten Pizza angebracht hat, bin ich mir jetzt gerade, also nach erfolgter Reflektion, nicht mehr so sicher, ob ich die Sonntagsfrage heute bzw. am Sonntag in der Wahlkabine, auch noch so beantworte.

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