Europawahl: Jeder Vierte ist ein Wechselwähler
9. Juni 2009 um 14:26 Uhr von Ute PannenDie Europawahl hat es gezeigt. Die Zahl der Stammwähler nimmt ab, nur 72 % blieb bei der altbewährten Parteibindung und jeder vierte wechselte das Lager. Eine Entwicklung, die diesmal besonders die SPD getroffen hat. Aber auch die anderen Parteien müssen sich durch die wechselnde Wählergunst neu orientieren.
Interessant ist der Artikel von Peter Fahrenholz in der Süddeutschen Zeitung zu neuen Koalitions-Optionen:
Schwarz-Rot? Schwarz-Gelb? Grün-Gelb!
Warum Grüne und FDP ihre gegenseitige Abneigung überwinden müssen…










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Am 11. Juni 2009 um 14:33 Uhr
Es ist interessant zu sehen, wie die Partei der Nichtwähler immer weiter wächst. 56,7% der Deutschen sehen in keiner der angetretenen Parteien mehr die, die ihre Meinung am besten zum Ausdruck bringt.
Wechselnde Aussagen zu Kernthemen der Politik lassen immer mehr Politiker unglaubwürdig erscheinen. Taktik wird medial abgefeiert, Inhalt bleibt oft auf der Strecke.
Siehe dazu auch folgende Artikel:
http://www.stern.de/wahl-2009/aktuell/:Werner-Peters-Ein-Politiker–Wahlverweigerer/703161.html
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/nichtwaehler_gewinnen_eu_wahl/
Am 12. Juni 2009 um 00:36 Uhr
Ich habe eben im Stern den folgenden Kommentar zu diesem Artikel abgeschickt:
Ich verstehe weder Herrn Peters noch den Autor. Wir leben und reden doch über Demokratie (Volksherrschaft). Es ist gerade mal rund 100 Jahre her als aufrechte Bürger wegen ihres Eintretens für den demokratischen Gedanken eingekerkert und ermordet wurden. Ebenso während des 3. Reiches und in der DDR. Das Wahlrecht ist zu Recht im Grundgesetz verankert. Wer Kritik an der “performance” aktiver Parteien üben will, hat die Möglichkeit selbst eine Partei zu gründen, oder einer beizutreten und vor Ort für Besserung zu sorgen. Aber leider ist das mit Arbeit verbunden (ein Dank an die tausende von ehrenamtlichen Kommunalpolitiker) und diese Arbeit möchten sich die wenigsten aufbürden. Politik ist kein verachtenswertes Unwort, sondern die tägliche Arbeit mit den Dingen, die jeden Bürger täglich betreffen, angefangen von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, sozialer Unterstützung, bis hin zur Rente und der Friedhofsverwaltung. Bloß keiner will die Arbeit tun.
Ich schlage vor, Sie beantragen Ihre Entmündigung. Sie werden nie wieder zur Wahl gerufen und brauchen sich über all das keine Gedanken mehr zu machen. Nicht mitmachen, sich nicht einmischen, aber meckern kann man doch am besten als unmündiger Bürger! Ihre Anträge nimmt das zuständige Amts- oder Familiengericht entgegen.
Am 12. Juni 2009 um 12:22 Uhr
Mit diesem Argument müssten sie sich ja auch selber eine Kuh kaufen und melken, wenn ihnen die Milch nicht mehr schmeckt. In einer arbeitsteiligen Gesellschaft sollte man doch eher den Bauern darauf aufmerksam machen, dass irgendwas mit der Milch nicht stimmt. Wenns dann immer noch nicht klappt, muss man eben wirklich zum Landwirt werden.
Wir hatten bei Bundestagswahlen mal um die 90% Wahlbeteiligung.
Das können doch nicht nur unmündige, tumbe Leute sein, die jetzt immer öfter der Wahlurne fernbleiben. Dazu gibts auch ein gutes Buch von Gabor Steingart: “die Machtfrage”.
In diesem Buch geht der Autor auch mit der Basis der Parteien ins Gericht, die immer mehr eine geschlossene Gesellschaft bilden, mißtrauisch Neuem und Neuen gegenüber.
Am 12. Juni 2009 um 23:33 Uhr
Danke für die (einzige) Antwort. Worauf ich hinaus will ist die Tatsache, dass nicht Politik und das Parteiensystem an sich schlecht sind. Demokratie ist die einzige Regierungsform in der ich leben möchte, wenn auch die schwierigste (Churchill). Um bei Ihrem Beispiel zu bleiben: Nicht die Kuh und der Bauer sind das Problem, sondern die Molkerei. Wähle ich Milch von einer anderen bin ich ein Wechselwähler und übe mein demokr. Grundrecht aus. Was aber tut der Nichtwähler? Genau genommen nichts und bestärkt damit die Molkerei, alles richtig gemacht zu haben. Genau die angeprangerten Personen oder Parteien werden durch Verweigerung von einer steigenden Mehrzahl der Bürger auf diesem Wege sanktioniert. Daneben öffnet diese Haltung Tür und Tor für extremistische Parteien aller Couleur, die ihre Gefolgsleute sicher zur Wahl animieren (Weimarer Republik). Wenn dann die Medien nahezu unisono auch noch die Verdrossenheit mit Politik und Parteien hochstilisieren und hoffähig machen, ohne auf die Sinnlosigkeit (Partei der Nichtwähler?!?!) oder Gefahr für das demokr. Prinzip ausdrücklich hinzuweisen, dann hat das m.E. mit gutem, verantwortungsbewusstem Journalismus einfach gar nichts mehr zu tun. Das ist reiner Populismus mit Blick auf die Auflagenhöhe. Ich halte die Bürger nicht für “tumb” sondern nur für bequem. Nehmen sie Kirchen, Gewerkschaften, Vereine, Verbände oder Parteien, es sind immer nur eine handvoll Leute, die die Arbeit machen. Wenn sich von der “schweigenden Mehrheit” keiner einmischt und mitmacht, wird diese handvoll Leute immer so weitermachen, in der Überzeugung, es richtig gemacht zu haben. Meine Empfehlung, sich entmündigen zu lassen, war natürlich provokativ gemeint.