Freitagsfrage: Brauchen wir mehr Polizisten? Ja, nein, hmmm schwierig…

17. September 2009 um 20:40 Uhr von Ewa

Mit dieser Freitagsfrage tue ich mich etwas schwer. Ich gehöre zu den Menschen weiblichen Wesen bei denen das Angstgefühl vergleichsweise schwach ausgeprägt ist. Fußweg allein nach Hause? -hey, ich wohn zentral und in einer guten Gegend, kein Problem und kein Taxi notwendig, nachts allein U-Bahn fahren? auch kein Ding am Wochenende sind die U-Bahnen bunt gefüllt und während der Woche stellen die Kölner Verkehrsbetriebe kurz vor zwei Uhr sowieso ihren Dienst ein, bliebe noch die S-Bahn… und genau da bekomme ich ein flaues Gefühl.

Genauer gesagt handelt es sich nur um eine Linie, die ich -mittlerweile nach Möglichkeit versuche zu meiden: die S 6. Die S 6 verbindet den Ruhrpott, genauer gesagt Essen, mit Köln und der größte Teil der Strecke führt durch das schicke Düsseldorf. Was also ist das Problem mit der S 6? Zunächst mal sind es die ranzigsten Bahnen, die die DB in ihrem Bestand hat, also ich spreche von den asbach-uralten orangefarbenen S-Bahn-Wagen mit den brauen Kunstledersitzen und den Türen, die man mittels manuellem Türöffner versuchen muss rechtzeitig zu öffnen, die immer nur auf dieser Strecke eingesetzt werden. Das hat ja einen Retro-Charme könnte man jetzt einwenden, könnte man. Tut aber keiner, der jemals damit fuhr. Aber beschmierte Kunstledersitze und verdreckte Scheiben sind noch lange kein Grund für mehr Polizeipräsenz zu plädieren. 

Tja, was also sorgt für mein flaues Gefühl? Es ist die Tatsache, dass es sein kann, dass man alleine offensichtlich psychisch Gestörten gegenüber sitzt und quasi dazu verdonnert ist, Sachen mitzubekommen, die man a) nicht mitbekommen will und die b) nach StGB strafbar sind. 

Ohne näher auf die Episoden in der S 6 eingehen zu wollen, kann ich zusammenfassend sagen, dass ich zweimal kurz davor stand Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten und mir in diesen Situationen Sicherheits- oder Polizeikräfte mehr als gewünscht hätte.

Vom Grundsatz her möchte ich aber nicht an jeder Ecke und in jeder Bahn einen Polizisten da haben. Auf dem Weg zu unserer Sonntagsrunde in der Tucholsky-Straße komme ich immer an einem jüdischen Café vorbei. Und jedes Mal stimmt es mich traurig, dass es abgeriegelt ist und dass zwei Polizeikräfte davor stehen. Ob das notwendig ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Was ich jedoch weiß, ist, dass ich dieses Bild nicht zur Normalität in Deutschlands Straßen  erklären will. Vom Einsatz flächendeckender Überwachungskameras für die innere Sicherheit ganz zu schweigen.

Bleibt also die Frage, wie man das individuelle Sicherheitsgefühl (wieder-) herstellen kann, denn ich glaube, um nichts anderes geht es bei der Frage. Offen gestanden habe ich darauf aber keine allgemein gültige Antwort.

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