Freitagsfrage: Raus aus Afghanistan - Ja, aber, nein.
10. September 2009 um 09:49 Uhr von PaulGestern habe ich bei der Wahlgang den linken Grünen Robert Zion kennengelernt, der vehement auch gegen die bundespolitische Position seiner Partei für einen schnellen Rückzug der NATO-Truppen plädiert. Klug führt er seine Argumentation auch im Freitag vor. Solche Gedankengänge wecken auch meine halbpazifistischen Wurzeln aus dem pragmapolitschen Schlaf: Ich wäre auch nicht nach Afghanistan gegangen, weil ich nicht in der Verkürzung glaube, dass “unsere Freiheit auch am Hindukusch verteidigt” wird. Was waren die Gründe für den Krieg, doch kein nationbuildung und humanitäre Hilfe für ein unterdrücktes Volk. Wo ist den jetzt Osama, den Bush kriegen wollte (oder aus Legitimationsgründen lieber nicht)? Aber der Schlamassel ist angerichtet, was nun?
Anselmes Gedanken kann ich mich nur anschließen: Mitgehangen, mitgefangen. Verantwortliche Politik muss auch Fehler ausbügeln. Natürlich “soll” die Bundeswehr `raus aus Aufghanistan, aber sie “kann” gerade nicht! Noch habe ich das Gefühl (das ist das schlimme bei Kriegen, worauf soll man sich medial gefiltert verlassen, ich habe keinen Onkel in Kabul, den ich mal anrufen könnte), dass die Bundeswehr dort mehr aufbaut, als kapput macht. Die Legitimation sinkt, aber noch bin ich ein - und das sage ich, um es mir selbst in seiner Traurigkeit vorzuführen in aller Provokation - Kriegsbefürworter.
Mittelfristig würde ich mir eine UNO-Verwaltung wünschen und niedrigere Ansprüche auf Demokratie und westliche Freiheitsrechte. Afghanistan ist nicht Europa und eigene Traditionen und Stammeskulturen müssen geachtet werden. Ich weiß, es ist eine schwere Frage, vor allem wo wir uns einmal eingemischt haben, bis zu welchem Grade man die Ungleichheit der Geschlechter akzeptiert, nicht-demokratische Machtstrukturen toleriert, doch kann das Sendungsbewusstsein des Westens nicht so übergroß sein, hier alles nach seinen auch nicht ideologiefreien Maßstäben zu messen. Außerdem müssten wir uns noch mit so einigen Staaten anlegen, wenn das die Gründe für den Einsatz wären.
Also: Einsätze im Ausland nur mit UNO-Mandat, keine weitere Aufweichung der Definition der Bundeswehr als Verteidigungsarmee und vor allem keine weitere strukturelle Neuausrichtung auf Auslandseinsätze, denn die gehen in der derzeitigen Zahl weder mit der Aufgabe der Bundeswehr noch mit der Struktur der Wehrpflicht überein. In Afghanistan sind wir jetzt in der Pflicht, kein Denkverbot Abzug, doch die Mission wird noch lange dauern und noch bin ich davon überzeugt, dass es weder für die afghanische Bevölkerung noch für die Sicherheitslage des Westen besser ist zu gehen.










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Am 10. September 2009 um 15:16 Uhr
Mir ist dieses Festhalten an Afghanistan ein Rätsel. Wenn man sich Ziele steckt - diese nicht erreicht - sondern entgegen dieser Ziele die Situation noch verschlimmert so zieht man die Konsequenz endlich einen Rückzug anzutreten. Wenn wir den Afghanistankrieg in 10 oder 20 Jahren historisch analysieren werden wir zu einem ähnlichen Ergebis kommen wie in Vietnam - der Abzug kam zu spät in einem Krieg der nicht gewonnen werden konnte. Es ist die Eitelkeit Fehler einzugestehen, die Politiker davon abhält die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Im Krieg kostet diese Eitelkeit Menschenleben.
Am 23. Oktober 2009 um 15:17 Uhr
Ein “Onkel in Afghanistan” kann z.B. Christoph Hörstel sein, der 14 Jahre lang ARD-Korrespondent für die Region war.
Folgt man seinen Ausführungen, ist der Krieg nicht nur verloren, sondern die Situation in Afghanistan ist deutlich schlimmer, als vor “unserer” Intervention.
Einfach mal googeln nach dem guten Mann. Der kann einiges dazu sagen, da wirds einem ganz schwindelig!
Mein Fazit nachdem ich ein paar Interviews mit und Vorträge von diesem Herrn gehört habe: Raus aus Afghanistan! Und zwar möglichst flott! Wir sind schon viel zu lange dort, ja, wir hatten dort von vornherein keine guten Absichten, wie man es uns versuchte zu verkaufen.
PS: Für mich ist der Krieg nicht ganz so weit weg. Immerhin kenne ich einen Bundeswehrsoldaten, der ein paar Monate dort unten im Einsatz war. Der ist nicht mehr derselbe wie zuvor, zu traumatisch war das Erlebte vor Ort…
An alle Kriegsbefürworter: WIe kann man nach 8 Jahren Misserfolg, Blutvergiessen und Treten von Völkerrecht IMMER NOCH so naiv sein, und diesen Krieg befürworten?
Bitte antworten, denn darauf fällt mir selbst keine plausible Antwort ein, ausser dass ihr euch nur oberflächlich mit der Materie beschäftigt habt.
Am 23. Oktober 2009 um 15:23 Uhr
Zum UNO-Mandat:
Bereits vor einigen Wochen habe ich Eberhardt darauf hingewiesen, dass die Bundeswehr die Amerikaner von Anfang an bei der OEF (Operation Enduring Freedom) unterstützt, für die es KEIN UNO-Mandat gibt.
Das Mandat für die ISAF ist -soweit mein derzeitiger Stand - im Oktober abgelaufen.
Ergo handeln wir seit 8 Jahren völkerrechtswidrig und wir werden uns (hoffentlich) irgendwann dafür verantworten müssen.