Freitagsfrage: Soll die Bundeswehr bis 2011 raus aus Afghanistan?

9. September 2009 um 23:03 Uhr von Anselme

Tja, FDP rausgeworfen, Tierrechtler, mittlerweile habe ich hier wohl einen linken Stempel auf der Stirne. Also was erwartet ihr von mir bei so einer Frage - ob die Bundeswehr aus Afghanistan raussoll, jetzt oder bis 2011?

Nein!

Um Gottes willen. Stellt euch einmal folgendes vor: Ich bin ein Handwerker und komme in eure Wohnung, weil da einiges im Argen liegt - das Klo ist kaputt. Und der Herd. Oder so.

Nach zwei Tagen habe ich das repariert - juhuu! Dafür habe ich den Boden aufgerissen, die Heizung außer Funktion gesetzt und die Türen aus den Angeln gerissen. Wenn ich dann sage “Morgen Abend bin ich hier raus”, würdet ihr mir dann nicht sagen “Du gehst hier erst, wenn alles wieder ganz ist”?

Wie auch immer man den Krieg in Afghanistan bewertet - ob man ihn befürwortet hat oder ihn ablehnt - er ist nun einmal passiert. Wir haben ihn passiert - also haben wir auch die Verantwortung, jetzt richtig zu handeln. In Wirtschaftssprache: sunk costs werden nicht mit eingerechnet.

Wer glaubt denn ernsthaft daran, dass die Situation in den nächsten eineinhalb Jahren so stabil wird, dass wir raus können?

Hut ab vor soviel Optimismus - nach meiner Einsicht sind wir mitgefangen worden, es liegt in unserer Verantwortung, auch mitgehangen zu werden.

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5 Reaktionen zu “Freitagsfrage: Soll die Bundeswehr bis 2011 raus aus Afghanistan?”

  1. hansb

    > “Du gehst hier erst, wenn alles wieder ganz ist”?

    Wenn da irgend was ganz gemacht wird, dann ist das bis jetzt noch nicht aufgefallen.

    > es liegt in unserer Verantwortung, auch mitgehangen zu werden.

    Dieses Rumgeballere in Afghanistan und Pakistan(!) ist nichts anderes eine Terroristen Zucht Veranstaltung. Peter Scholl Latour hat das damals als es losging schon in allen Talkshows erzählt und keiner wollte es hören. Der hat ja nur 40 Jahre Erfahrung mit sowas, wie soll der das wissen, nicht wahr?

    Leuten in anderen Ländern mit der Knarre in der Hand vorzuschreiben wie sie leben sollen ist eine Scheiss Idee, die man auch Kolonialismus nennt, und endet immer in Tränen, sei es 2009, 2011 oder 2021.

  2. Tom

    Zu Deiner Analogie:
    Man stelle sich vor ein Handwerker bräche die Wohungstür auf, nähme seinen größten Hammer und zerschlüge alles was nicht niet-und-nagelfest ist. Dann sagt er dir deine Wohnung ist kaputt und er müsse auf unbrenzte Zeit dort einziehen um dieses Chaos zu reparieren. 8 Jahre später sitzt der Handwerker immer noch deiner Wohung. Er sagt zwar er wolle etwas reparieren macht aber genau so viel kaputt wie er repariert. Schönes Scenario? In Afghanistan leider Realität. Soviel zum Abzug. Und zuletzt: Die Geschichte lehrt –> solange in einem Land Kriegshandlungen stattfinden kann es keinen Aufbau geben. Aufbau erfordert Frieden. Frieden erfordert Demilitarisierung. Demilitarisierung erfordert den Abzug der Truppen aus Afghanistan.

  3. Eberhard

    Frieden erfordert Demilitarisierung?
    Sag das mal den Taliban!
    Und wieviel aufbau die betreiben kannste an den ganzen Jahren vorher sehen die die regiert haben. Koranschulen und Terrorcamps wurden da aufgebaut.

  4. WW Anselme

    Tom,

    auch wenn ich nicht deiner Meinung bin, freue ich mich, dass du meinen Vergleich bzw. meine Analogie aufgreifst :-) Das ist durchaus eine Überlegung wert - allerdings glaube ich immer noch, dass bleiben besser ist als gehen :-)

    Gruß aus Berlin,

    anselme

  5. Michael Panzer

    Man sollte doch nicht vergessen das wir von einem Land reden, indem ein totalitären Regime war. Jetz abzuziehn würden den fanatisch religiösen Taliban doch nur wieder die Möglichkeit geben das Volk zu unterdrücken. Ich würde es nicht verantworten wollen, das Frauen wieder gesteinigt werden und Kinder nicht lesen und schreiben lernen. Die Veränderung in den Köpfen passiert nicht von heute auf morgen, unsere mititärischen Bemühungen sind auch nicht immer von Erfolg gekrönt, die Menschen jetzt jedoch im stich zu lassen wäre nicht zu verantworten.

    Stabilität mit Militär, Aufbau zivil.

    Und noch zum Wort Krieg. Ich sehe es nicht als Krieg im klassischen Sinne. Eher als Guerilla- bzw. Partisanenkampf. Die Gegner sind nicht durch Uniform von der Zivilbevölkerung zu unterscheiden. Das Wort Krieg ist einfach fehlleitend. Was natürlich nichts an der Brutalität und der Brisanz des Auftrags ändert.

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