Grün wirkt beruhigend - nicht nur auf die Augen

14. September 2009 um 22:28 Uhr von Ewa

Wie wars in Berlin? Diese Frage bekomme ich seit ein paar Wochen jeden Montag aufs Neue von meinen Kollegen gestellt. Was dann folgt ist eine kurze Berichterstattung, die mal mehr und mal weniger sarkastisch ausfällt.
Und während ich von Käsespätzle mit Cem, seinen politischen Ansichten, dem Umgang mit unseren provokanten WG-Bewerbungs-Fragen und auch seiner Haltung zum Ramadan erzähle, möchte ein Teil von mir zeitgleich eine Vermisstenanzeige aufgeben.

Vermisst wird: der bissige Unterton.

Wenn auch nicht immer 100&-ig überzeugt (Stellenwert und Umsetzung der Energiepolitik), kann sich der Idealist in mir den grünen Ideen -oder wäre Utopie der treffendere Ausdruck?-  nicht ganz verwehren. Die realistische und pragmatische Einstellung, die Cem Özdemir zeigt, wenn es um die konkrete Umsetzung geht, lässt von manche Einwände bereits im Ansatz verpuffen.
Die Eloquenz und die Gelassenheit mit denen er den übrigen (Nach-)Fragen begegnet, machen deutlich, hier ist ein Profi am Werk . 

Tja, was bleibt?
Mit Cem haben die Grünen einen Bundesvorsitzenden, der bedingt durch seine Vita (Migrationshintergrund, Sozialpädagoge statt des sonst in der Politik verbreiteten Juristen, 2. Bildungsweg etc.) nicht nur zu den Schwerpunktthemen der Politik -berufsbedingt- eine Meinung hat, sondern dabei auch noch authentisch rüber kommt.
Was dagegen fehlt sind die Aussagen, an die man sich nach dem Gespräch noch gut erinnert und die nicht so beliebig klingen wie das Wahlprogramm.
Deswegen teile ich Pauls Wunsch nach etwas mehr individueller Linie statt Grünenparteiprogramm. 

Noch nicht ganz aus dem Weichspüler-Seifenblasen-Wir-tun-keinem-weh-Paradies erwacht, weiß ich jetzt zumindest, weshalb meiner Kurzfassung von heute morgen  die gewohnte Schärfe fehlte.

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