In welchem System wollen wir leben?
20. August 2009 um 23:02 Uhr von Eberhard“ Fuck the System” stand rotverschmiert auf einem der S-Bahn Züge mit denen ich gestern nach Hause gefahren bin. Fuck the System… hmmm ist es denn so schlecht?

Immerhin geht es uns ganz gut könnte man meinen. Die meisten können sich die notwendigen Dinge bei uns in der Gesellschaft leisten: ein Handy, mit dem man Freunde anrufen kann und erreichbar ist, ganz wichtig ist ein Computer mit Internetanschluss, wie könnten wir ohne leben, und ein Auto und irgendwann vielleicht ein Haus auf Raten. Für Urlaub zwischendurch auf Malle oder möglichst weit weg bleibt immernoch genug übrig, und hungern oder frieren muss bei uns sowieso niemand,Schulbildung kriegt auch jeder, darum kümmert sich alles der Staat.
Also ist unser kapitalistisches System gut, weil es sowas wie Wohlstand schafft. Wobei mit Wohlstand ein möglichst hohes Maß an Konsumgütern gemeint ist. Unser System ist also daraufhin optimiert möglichst viele Güter zu erzeugen und damit den Wohlstand zu mehren. Das erledigt es ziemlich gut. Besser als es die anderen auf jeden Fall. Wir haben schon viel mehr gehabt als die Ossis, und besseres! Wer will auch schon in so nem blöden Trabbant rumfahren.
Hmmm… irgendwie muss ich an meine Oma denken. Die hatten damals kein Handy. Und schon gar keinen Computer mit Internetanschluss. Waren sie deshalb unglücklicher? Wohl kaum. Gut gabs damals nicht, kann man sagen.
Trotzdem: wieso Produzieren wir was Neues wenn die Leute dadurch nicht unbedingt glücklicher werden? Hmmm ok wenn das mal der Erste hat und ich sehs, dann mag ich es auch haben. Und wenn es dann fast alle haben und ich hab’s nicht, dann fühl ich mich fast schon scheiße. Vor allem wenn ich’s mir nicht mal kaufen kann weil ich kein Geld hab. Gut, ich kann dann ja arbeiten oder wo anderst sparen und mir somit irgendwann mein Handy und ein Stück Glück -mit kaufen. Zumindest bist es wieder was neues gibt.
Und ich denk darin liegt der Hund begraben. Glück wird nicht durch Güter sondern durch den Vergleich an Gütern erzeugt. Erstes Beispiel: Angenommen wir würden unseren Reichtum behalten alle anderen um uns herum hätten auf einmla viel mehr als wir. Dann wären wir quasi das Armenhaus der Welt. Wir würden auf unsere Nachbarn schauen, was die alles haben ,den neuen Roboter der alles für einen erledigt und sogar massiert, beamtechnik mit der man in einer sekunde überall ist wo man will, denkt euch was. Würden wir uns nicht automatisch schlechter fühlen wenn wir nach außen schauen und sehen was wir alles nicht haben? Obwohl wir genausoviel haben wie vorher? Fast wie der Typ im Trabbi der sehnsüchtig auf den BMW von seinem Wessi-Onkel starrt .
2. Beispiel: Wenn man Hartz IV empfänger bei uns fragen würde wie es ihnen ginge, würden die meisten antworten: schlecht. Sie können sich so wenig leisten ,nicht mal in den Urlaub gehen, kein Auto fahren immer den Bus nehmen müssen ,beim Einkaufen immer aufpassen etc. Nehmt mal nen Schwarzen aus Afrika und gebt ihm Hartz IV. Der wär aller Wahrscheinlichkeit nach überglücklich. Genug zu Essen, warme Wohnung, und nicht mal arbeiten müssen! Wie geil! Beide haben gleich viel, aber das entscheidende ist der Vergleich mit den andern. Da ist der Afrikaner ein König und der Deutsche ein Bettler.
Also summa sumarum ist es egal wieviel wir haben, solange wir mehr haben als die andern, dann sind wir in der Regel glücklicher. Oder denken wir zumindest.Oder warum wünschen sich die meisten Menschen in dem Land möglichst viel Geld und Reichtum?Das wär aber ein scheiß System für Glück, nicht nur können wir nie vollkommen glücklich sein, weil es immer Leute geben wird die mehr haben als wir, unser Glück funktioniert auch nur zu dem Preis dass es genug Leute unter uns gibt die unglücklicher sind.
Glück ist ein gutes Stichwort, sollte der Staat, das System, nicht eigentlich dafür sorgen dass möglichste viele Menschen möglichst glücklich sind? Mit dem System geht das bestimmt nicht.Aber Glück ist es halt so ein Ding, is schwer zu messen. Vieleicht kommen wir schon mal weiter wenn wir sagen was schlecht für’s Glück ist. Hass zum Beispiel. Sicher schlecht. Oder Neid. Bedingst sich manchmal. Oder Gier. Hmmm Neid und Gier, das gerade, warauf unser kapitalistisches System aufgebaut ist. Der Neid treibt an, man will haben was der andere hat, und die Gier, man will mehr haben.
Schlechte Bedingungen für ein System das Glück maximieren will. Was ist die Alternative? Ein System in dem alle gleich viel haben? Mehr oder weniger, ja. Angenommen jeder hätte gleich viel und angenommen wir würden nicht sehn, dass irgendwo auf der Welt Leute mehr haben. Wenn Neid und Gier, die in unserem System so gefördert wurden, irgendwann nach vielen Jahren größtenteils uberwunden sind.Glaubt ihr, dass die Menschen dann glücklicher sind? Der alte Kommunistische Traum. Ich find ihn grad romantisch.










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Am 21. August 2009 um 10:06 Uhr
Liebe Mitbewohner,
diese undifferenzierten Vergleiche mit Hartz 4 Empfänger fangen mir an auf den Keks zu gehen. Amseln, wieviele Menschen kennst du in dieser Situation?
Und der Vergleich mit Afrika- ich bitte dich! Natürlich wäre das da viel Geld, und natürlich leben die Menschen unter noch schwierigeren Bedingungen (zum Teil). Aber wenn eine allein erziehende Mutter mit Hartz 4 gerade mal die Festkosten decken kann (und keinen Computer hat, weil der nicht mehr drin ist), somit kein Geld mehr für Essen hat- dann nenne ich das eine existenzielle Situation. Das bedeutet schlaflose Nächte und Sorgen. Jobben unter scheiß Bedingungen, von dem Gehalt nur 150 € behalten dürfen- und davon kann mann zu zweit nicht durch den Monat kommen. Und ich spreche hier nur von Nahrung.Und um bei diesem Beispiel zu bleiben: die Frau bewirbt sich für “richtige” Arbeit! Zu Behaupten, es gäbe in Deutschland keine armen und “frierenden” Menschen, ist schlicht und ergreifend falsch. Es gibt sehr viele von ihnen. Und die meisten sind keine Schmarotzer. Im Übrigen: wer zahlt eigentlich dein Studium?
Am 21. August 2009 um 11:07 Uhr
Ok, 5 Atemzüge und eine Tasse Kaffee später: erstmal, sorry Amseln, dass warst ja gar nicht du, sorry Eberhardt, zu schnell geantwortet, daher der Namensdreher. Mir fällt jetzt auf, dass ich mich bedanken sollte. Deine durchaus provozierende Art der Nutzung unserer Meinungfreiheit sei Dank, ist bei mir jetzt der Pfeffer dazu gekommen. Und das ist gut so (um mal meinen Brgermeister zu zitieren)! Also weiter zum fröhlichen Gerangel und Geraufe- das gehört ja auch in ne WG. Was meint ihr?
Am 21. August 2009 um 12:16 Uhr
Und dass jemand mit Hartz4 frieren muss bezweifel ich, vom Comupter hab ich nie geredet, nur: “genug zu essen, warme Wohnung, und kostenlose Schulbildung für kinder”
Bitte erst zu ende lesen
Aber danke für den emotionalen Comment, mich freut sowas!
Am 21. August 2009 um 12:23 Uhr
Hey, ich heiße Anselme, nicht Amseln
Am 21. August 2009 um 12:26 Uhr
Hmmm danach
http://www.bafoeg-aktuell.de/cms/soziales/hartz-iv/regelbedarf.html
komm ich auf 1104€ für ne 4-Köpfige Familie mit 2 Kindern unter 13. Ohne Wohngeldgeldszuschuss, ohne Heizkosten. Das ist nicht viel, aber davon muss man weder hungern noch frieren, damit seh ich meine Aussage bestätigt. Kühlschrank und Fernseher und so werden bezahlt. Auf jeden fall weit als die meisten in Afrika zu träumen wagen(mein Mitbewohner kommt aus Kamerun mit dem schwätz ich als)
Aber darum gings ja gar nicht in dem Beitrag, sondern warum bei gleicher finanzieller situation der eine glücklich ist und der andere nicht
Am 21. August 2009 um 15:23 Uhr
Sorry Anselme, wollte deinen schönen Namen nicht verhunzen! Eberhard: mir ist klar, dass es in deinem Blogg um etwas anderes ging, und ja, ich habe ihn zuende gelesen.Da du nichts desto trotz dich ja mit dem Thema beschäftigst, wie wäre ein Gespräch in der realen Welt noch mal darüber?
Am 21. August 2009 um 15:45 Uhr
Blog natürlich, nicht Blogg. Herrje, ich sollte den Rest des Tages meine Finger von der Tastatur lassen!
Am 21. August 2009 um 18:07 Uhr
Warum kommt eigentlich, wenn man den Begriff Kommunismus/Sozialismus in den Raum stellt, immer der Vergleich mit der DDR?
Das ist doch Stammtischniveau und jeder weiß, dass die DDR nicht als Vorbild dienen kann.
Und wer sagt denn, dass Bürger eines sozialistischen Staates automatisch ärmer als die Nachbarn sein müssen? Es geht auch nicht darum, das Leistungsprinzip vollkommen abzuschaffen, sonder darum eine Verhätnismässigkeit zwischen Leistung/Verantwortung und Gehalt herzustellen. Ich kann mir z.B. beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Manager das 1000fache von dem leistet, wie ein Fabrikarbeiter. Selbst wenn man die Verantwortung, die er hat, noch mit einbezieht. Das steht in keinem Verhältnis zueinander und da muss sich was tun, wenn wir nicht zulassen wollen, dass die Kluft zwischen arm und reich noch größer wird, bzw die Mittelschicht verschwindet.
Es wäre ja schon gerechter, wenn sozialer und finanzieller Hintergrund z.B. der Eltern, oder die Herkunft keine so große Rolle spielen würden.
Statt aber einen Schritt in die richtige Richtung zu tun, verschärft man die Situation weiter durch die Einführung von Studiengebühren - um dadurch die Hürde noch etwas höher zu machen.
Ich antworte deshalb nicht wirklich auf die eigentliche Frage, weil ich finde, dsas sie auf falschen Behauptungen basiert.
Am 21. August 2009 um 18:19 Uhr
Ok, doch noch zum Thema, hab mich beruhigt
Du schreibst ja auch, dass du den Gedanken romantisch findest, was dich sympatisch macht.
Nehmen wir also mal alles so an, wie du es beschrieben hast. Dann denke ich durchaus, dass die Menschen im Durchschnitt glücklicher wären. Es gäbe sicher einige, die weniger hätten als zuvor, wobei diese Leute derzeit sowieso gar nicht mehr wissen, wohin mit dem ganzen Geld. Es wäre also Jammern auf sehr hohem Niveau.
Am 21. August 2009 um 20:52 Uhr
@christine würd mich auf die Diskussion freuen
@Basti ich geb dir recht, ein (Bezahlungs-)System das mehr an den Aufwand angelehnt ist wäre besser. Ganz abschaffen kann es wohl nicht(sonst kriegen die faulen genausoviel wie die fleißigen)
Dass der Sozialismus weniger produktiv ist wie der Kapitalismus glaub ich aber schon, purer Neid ist halt n guter antrieb, aber ich es ist auch egal, wenn man nichts besseres kennt ist man damit zufrieden(siehe handy)
Am 21. August 2009 um 23:24 Uhr
ich persönlich habe z.B. Mitleid mit denjenigen, die ständig das neueste Handy brauchen, um sich glücklich zu fühlen bzw. ein gewisses Selbstwertgefühl aufrecht zu erhalten. Es gibt für diese Menschen den - zugegeben sehr hässlichen - Begriff “Konsumopfer”.
Allerdings muss ich natürlich auch eingestehen, dass dieses Prinzip zumindest ein Stück weit auch bei mir zieht, so traurig es ist.
Ein Sozialismus muss nicht zwangsweise weniger produktiv sein. Es gibt heute bereits Betriebe (hauptsächlich mittelständische) die sozialistisch organisiert sind. D.h. einfach, dass jeder Mitarbeiter an wichtigen Entscheidungen und an Gewinnen beteiligt wird - und natürlich ist die Kluft der Gehälter zwischen Chef und Sekretärin von vornherein nicht so extrem.
Diese Betriebe funktionieren wunderbar
Der Anreiz Neid wurde hier eben dadurch eretzt, dass hier jeder von erfolgreichem Wirtschaften profitiert und sich mit dem Betrieb identifiziert. Nicht nur Aktionäre und Vorstände.
ich denke auch, dass es nicht gerade ein großer Anreiz ist, etwas zu leisten, wenn man eigentlich gar keine Chance hat, aufzusteigen bzw. mehr zu verdienen.
Dass wir in einer reinen Leistungsgesellschaft leben, ist leider eine Illusion. Oder findest du, es ist eine große Leistung, im richtigen Land in der richtigen Bevölkerungsschicht geboren zu sein?
Genau das ist aber zur Zeit ausschlaggebend für Erfolg in Bildung und Beruf.
Ich bin links, ja vielleicht linksradikal, aber selbst ich sehe ein, dass ein gewisser Anreiz, etwas zu leisten, bestehen muss. Warum sollte ich etwas tun, wenn ich auch gtut lebe, ohne etwas zu leisten?
Ich möchte eben einfach, dass wieder mehr Chancengleichheit hergestellt wird und - wie bereits erwähnt - das Verhältnis von Leistung und Entlohnung (wieder-)hergestellt wird.
Ich finde die Diskussionen hier übrigens äusserst interessant
Am 22. August 2009 um 00:39 Uhr
Danke Danke
Ich die Betriebsbeispiele die du bringst eine gute Sache, aus dem gleichen gedanken kommt das gesetzliche Mitspracherecht der Arbeitnehmer in einem Betrieb. Sowas ist auch extrem effektiv, nur nicht wirklich sozialistisch sondern modifiziert kapitalistisch. aber wer kümmert sich um wörter.
Das einzige Problem ist, wenn man genau festlegen soll wieviel jemand mehr verdienen darf, Lenin z.B. hat vorgeschlagen: der oberste im Staat sollte maximal das 10-Fache vom untersten verdienen. Ich find das nicht schlecht, aber wieso genau das 10 nicht 10.5 oder 9.5 fache? wer sagt wieviel man darf? Das sind halt so schwierigkeite nauf die man stößt. Bei Lenin ist es übrigens auch so dass jeder höhere Managerposten von der Belegschaft gewählt wird, baut er scheiße verliert er seinen job, macht er zu lasch nur damit die ihn wählen verlieren die arbeiter ihren job, deshlab müssen sie schauen dass er sie so fordert das sie konkurrenzfähig sind.
Zu der Leistung:
Ich finde schon dass Leute aus der Oberschicht mehr Leisten(wenn man studium etc. dazuzählt) aber ich denke das das daran liegt dass sie viel mehr möglichkeiten ihre Leistungsfähigkeit zu steigern(nachhilfe, internat, keine geldsorgen beim studium et.c) Und da würd ich dir wieder vollkommen recht geben, in einer Gesellschaft muss jeder die gleiche möglichkeit auf Leistungssteigerung(Bildung) haben, alles andere wäre ungerecht und schadet uns sogar selbst weil wir die besten köpfe egal aus welcher schicht brauchen.
Schönen Gruß
Eberhard
Am 22. August 2009 um 11:11 Uhr
Man könnte auch sagen, diese Betriebe entsprechen tatsächlich dem im Grundgesetz verankerten Gedanken der sozialen Marktwirtschaft.
Wenn man sehr streng ist, handeln Unternehmen, die ihre Arbeitnehmer nicht sozial behandeln, verfassungswidrig.
Oder besser gesagt, grundgesetzwidrig
Dass unser Wirtschaftssystem einen Kompromiss aus Sozialismus und Kapitalismus darstellen soll(te), wird heute ausgerechnet von den Parteien, die sich damals dafür stark machten, gerne mal unter den Tisch gekehrt.
Am 22. August 2009 um 11:15 Uhr
Noch was Geschichtliches:
Ohne den EInfluss der Besatzungsmacht USA damals, würde unser Grundgesetz deutlich mehr sozialistisches Gedankengut enthalten.
Ausgerechnet aus der CDU kamen damals Sätze, wie z.B. “Der Kapitalismus hat bewiesen, dass er die Bedürfnisse des deutschen Volkes nicht befriedigen kann”
Das hört heute natürlich kein CDUler gerne, das ist mir schon klar
Am 22. August 2009 um 15:22 Uhr
Hast das Parteiprogramm der Linken gelesen
Ja das ist wohl wahr, wobei wir mit unserer sozialen Marktwirtschaft (die leider von vielen Liberalen und einigen konserativen versucht wird wir zu unterhöhlen)eigentlich lange Zeit sehr gut gefahren sind, und der Wohlstand in diesem Land allen Schichten zugänglich war( starke Mittelschicht und Sozialleistungen für die unten)
Am 23. August 2009 um 14:07 Uhr
Hab das Parteiprogramm gelesen, ja
Aber den Satz habe ich schon vor vielen Jahren im Geschichtunterricht gehört und ihn für merkenswert befunden