Katja
16. August 2009 um 17:33 Uhr von PaulMit dem Fahrrad angedüst, gestern noch bei Pearl Jam und sofort den Bewohnern zugewandt, so wünscht man sich Besuch in der WG. Unser erster Gast und schon eine positive Überraschung: Katja (wir sind sofort beim Du) landet nicht nur habituell, sondern ist auch überall im Thema: Ob Energiemarkt oder Sozialgesetzgebung. Kompetenz und Überzeugung strahlt da hinter vielen ihrer platitüdenarmen Sätze hervor. Ist sie zu klug für ihre Partei oder habe ich mich zulange von meinen Vorurteilen leiten lassen?
Nicht dass ich jetzt zum Linkswähler werden würde, das halte ich dann doch immer noch für ziemlich unwahrscheinlich, aber Katja beweist: Es gibt auch in dieser Partei junges Personal, mit dem man intellektuell und charismatisch rechnen muss. So richtig kämpferisch wirkt Katja zwar nicht, aber dafür entspannt und sachorientiert. Kleine Provokationen lässt sie sich gefallen und mimt souverän die Gelassene. Warum Hartz IV wirklich schlimm ist, wollte ich etwas zugespitzt wissen und statt in der etwas alarmistisch-plakativen Sprache, die mir in ihrem Buch zu schaffen gemacht hat (Rezension folgt), gelang es ihr, mir als jemand, der mit der Agenda 2010 bisher nicht so große Probleme hatte, die Brisanz von Bedarfsgemeinschaftsprüfung nachvollziehbar zu machen. Auch die anderen WG-Bewohner hakten nach: „Wo kommt der Strom her, wenn die Linke alle Atomkraftwerke sofort `runterfahren möchte, aber keine neuen Kohlekraftwerke bauen will?“ Die von Katja behaupteten 30 % Überkapazität, die derzeit in der Energiewirtschaft produziert würden, scheinen mir etwas hochgegriffen (da muss ich mal meinen persönlichen Energiewirtschaftsexperten Matthäus zu befragen), aber immerhin hört sich das Gleiche mit den Erläuterungen aus ihrem Mund deutlich realitätsnäher an, als in dem rotumschlagenen Parteiprogramm. Bildungs- und Steuerpolitik bargen keine Überraschungen und ihr persönliches Steckenpferd Grundeinkommen, das sie auch in einem überparteilichen Forum propagiert, musste als Thema dann zur frei Haus gelieferten WG-Pizza geschoben werden. Nicht alles wurde mir klar, nicht allem folge ich argumentativ, aber als politische Figur umgibt sie die Aura von wirklicher Bewegtheit. Katja wäre eine, der ich auch spontan und unbekannterweise 20 € leihen würde, wenn der Geldautomat plötzlich Nö sagt (Danke Jan, bekommst Du nächste Woche). Und Vertrauen ist ja in der Politik ein wahrlich rares Gut. Fazit: Politisch fremd, aber menschlich nah. Kritisch werde ich dann wieder in meiner Buchbesprechung zu „Ausverkauf der Politik“, denn Begriffe wie „Nützlichkeitsrassismus“, „Hetze gegen Erwerbslose“ und noch einiges mehr, gehen gar nicht…










Lade...



Am 17. August 2009 um 22:17 Uhr
Ja, spontan würde ich auch sagen, dass die 30% Überkapazität zu hoch gegriffen sind. Bei ´nem Kaffee erzähl ich dir gerne was dazu.
Am 21. August 2009 um 11:14 Uhr
Begriffe wie „Nützlichkeitsrassismus“ und „Hetze gegen Erwerbslose“ gehen sehr wohl, denn das ist was die Agenda 2010-Schergen betrieben haben und noch betreiben. Um ihre asoziale Politik zu rechtfertigen, hetzen sie die Arbeitnehmer gegeneinander auf. “Divide et impera”- ein sehr altes Prinzip.
Mal abgesehen davon ist diese Vorgehensweise natürlich faschistoid.
Am 24. August 2009 um 20:27 Uhr
Naja. Dingdong, ich glaube wir werden nicht mehr warm miteinander, aber ich würde mich freuen, wenn Du bald meine Rezension über das Buch lesen würdest (die ich dafür endlich mal anpacken sollte). Mir geht bezüglich der beiden Wörter/Phrasen mehr um die Sprache als den Inhalt. Ich werd erklären, was ich meine, versprochen