Long hello and short goodbye
30. September 2009 um 22:54 Uhr von Christinezuerst: mein Handy ist kaputt, oder spinnt. Oder beides. An dieser Stelle sollte ein Video stehen von meinem Urnengang (was sich irgendwie ein bisschen nach tot anhört, findet ihr nicht?). Das ist aber futsch-das Video, nicht die Urne- mein Handy hat es nicht mehr, es ist in einem mir nicht bekannten Orbit verschwunden.
Ich war am Wahlmorgen sehr beglückt. Die Sonne schien, ich bin rechtzeitig aus dem Bett gekommen, und stand pünktlich um 8 Uhr 30 gestriegelt und gescheitelt im Wahllokal. Alle waren freundlich und die Zukunft sah sehr positiv aus. Ich machte ein entschlossenes Kreuzchen für meine Zweitstimmenwahl bei den Grünen, zögerte ein wenig zwischen meinem Direktkandidaten Oliver Snelinski und den Grünen- und entschied mich für Doppel-Grün.
Oliver sandte mir kurz vor der Wahl ein Video zu, ein Wahlaufruf zu seinen Gunsten- und dieses Video kippte letztlich meine Entscheidung. Nicht das etwas besonders Schlimmes darin vorkam, aber ich mochte nicht die Vehemenz, das “ihr müsst, nicht ihr solltet” mich wählen.
Also Doppel- Grün flog ich nun zur Arbeit, riss eine schöne 9 Stunden Schicht ab und radelte zum Betahaus zur Wahlparty. Hier hatte bereits der Weltuntergang eingesetzt (hey, die Mayas sagten doch erst 2012!). Nix mit Party, Fernsehen gucken und betroffen sein war angesagt. Außer Paul, der nicht so recht zu wissen schien, ob er sich freuen oder schämen soll. Rainer Langhans war auch noch da, aber recht wortkarg.
Was soll ich sagen, ich bin auch nicht froh über das Wahlergebnis, aber ich habe auch in den letzten Wochen gelernt, dass ich mir worst case Szenarien kreiere, um per Ausschluss verfahren zu wählen. Das will heißen: es gibt für mich einige Punkte über die ich meckern kann, aber ich gehe davon aus, dass uns die neue Regierung nicht ins Verderben stürzen wird. Genausowenig wie die anderen Parteien es getan hätten. Was mich wurmt ist das Atomausstieg Thema, denn das sehe ich jetzt auf der ganz langen Bank. Ich verstehe auch nicht, wie dieses Thema der FDP oder der CDU egal sein kann, denn wenn die Erde am Krückstock geht, nutzen die ganzen Verbesserungsversuche in anderen Bereichen auch nichts mehr. Ganz davon abgesehen, dass man durch eine neue Industrie auch neue Wachstumschancen hat. Nun ja. Ich glaube, dass können wir uns bei Westerwelle und Co. abhaken. Sowieso Westerwelle: zu dem als Außenminister fällt mir nur der Begriff “fremdschämen” ein. Ich fürchte ich muss jetzt immer den Fernseher ausschalten, wenn er auf Obama, oder noch besser Vertreter der arabischen Welt trifft. Ich werde im Ausland wieder verleugnen Deutsche zu sein, sonst verstehen die nicht, warum ich englisch kann und der nicht. Aber auch das ist überlebbar.
Auf die Bürgerarbeit freue ich mich auch nicht, der einzige rosa Streifen am Horizont ist die Steuer-Geschichte. Von der würde ich persönlich tatsächlich profitiere. Ich glaube trotzdem, dass dies für die momentane Wirtschaftslage keine gute Idee ist (Jaha, sie ist mir nicht ganz egal, die liebe Wirtschaft). Was ist da noch: ach ja, die Sache mit dem Ausweisungsrecht. Auch ein Minus, ebenso wie Einsparungen in der Entwicklungshilfe. Was in der Bildungs- und Familienpolitik passieren wird bleibt spannend. Ich hoffe, dass es hier mehr Bewegung geben wird, da FDP und CDU in diesen Punkten nicht zu weit voneinander entfernt stehen.
Ich bin froh, dass nicht die SPD in der Regierung ist, obwohl ich sie fast gewählt habe. Ich denke das ist jetzt ihre Chance: Zeit gewinnen, sich sammeln, rekreieren, um dann hoffentlich wie Phoenix aus der Asche wieder aufzustehen. Ich wünsche es ihnen.
Das die Grünen so überhaupt nicht mitregieren- hmm, Zeit wieder die Trommeln raus zu holen und ein bisschen zu nerven. Ist doch schön, eine Regierung mit FDP und CDU lädt ein, das Profil zu schärfen. Da kann man sich reiben und orientieren. Und so viele Sprüche wie ich schon seit Sonntag Abend gehört habe, lädt zu dem Glauben ein, dass die nächsten vier Jahre durchaus erheiternd sein werden. Hier nur zwei der gestrigen: ” zwei Frauen an der Spitze”, oder Bild titelte: “Sein Mann macht ihn so stark”, ich kam nicht umhin zu grinsen. Auf der anderen Seite natürlich: Hut ab, wir sind in Deutschland wirklich weit, hier wird offensichtlich frei von Gender und sexueller Orientierung entschieden. Und das bei einer alternden Gesellschaft.
Die Piraten habe ich auch noch getroffen. Nettes Völkchen. Redelaunig, freundlich und ein bisschen konfus. Aber die haben jetzt ja auch vier Jahre um sich zu ordnen und erneut in See zu stechen.
Das war’s von mir. Ich hatte viel Spaß in den letzten 7 Wochen und bedanke mich bei allen die dabei waren. Vor allem den Netzdemokraten für das Projekt, den WG Mitgliedern für ihre Klugheit, ihre Neugier und dem Austausch und natürlich euch lieben Lesern, dassIhr uns begleitet habt.
Und da die Piraten die letzten waren, die ich im Zuge dieses Projekt sah, sage ich: Seemannsheil und Ahoi!










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