Punkt 4.3, Abschnitt 2, “Erziehungsarbeiter”

10. September 2009 um 11:18 Uhr von Paul

Ja, ich bin Lehramtsstudent, überschüttet mich mit Spott und Häme. Vielleicht habe ich auch deswegen nicht so große Lust auf Bildungspolitik - ich bin da einfach gerade zu nah dran. Dennoch hier mein bildungspolitischer Programmausschnitt zu der Themenvorgabe “Lehrer/Erzieher, Personal, Auswahl, Ausbildung, Bezahlung” für die Wechselwählerpartei (welch herrliches Paradoxon) in Gründung.

1. Erzieher müssen besser bezahlt werden. Mehr Männer sollten den Beruf ergreifen. Die Grenzen zwischen Studium und Ausblidung müssen aufgeweicht werden: Mehr Praxis an der Uni (vielleicht sogar besser Pädagogische Hochschule), mehr Theorie im frühkindlichen Bereich. Gleiche Reputation für alle Erziehungs- und Bildungsarbeiter!

2. Lehrer sollen nicht mehr verbeamtet werden. Der Beamtenstatus für Lehrer ist ein absurder Fetisch, der ungerecht verteilt und überflüssig ist. Lehrer sind im Vergleich zu anderen Berufsgruppen (und vor allem anderen Ländern) angemessen bis gut bezahlt!

3. Mehr Verantwortung an die Schulen: Lehrer sollten als Dienstherren den Rektor haben, der sollte mit einem schulischen Gremium die Anstellungen verantworten.

4. Praxisnähe in der Ausbilung: Jeder Lehramststudent sollte ab Tag 1 als Schulassistent fest an eine Schule gehen (ich hätte es gehasst, aber es ist besser so). Dort kann er Lehrkräfte entlasten und verliert das Geschrei auf dem Schulhof und die Klassenraumrealität nich aus den Augen, während er Adorno oder Mendel liest.

5. Selektion nach Persönlichkeit. Menschen die im Bildungswesen arbeiten dürfen nicht “Ich-weiß-nicht-was-ich-studieren-will”-Schlufis sein, die den Lehrerberuf wegen 6 Wochen Ferien und “ich mag Kinder” wählen. Der Lehrerberuf ist einer für Profis, dann gibts`s auch später weniger Fälle von Erschöpfungssyndromen. Lehrer brauchen auch keinen akademischen Doktortitel, sondern ein Verbindung zu jugendlichen Menschen.

6. Begleitung durch freiwilliges, persönliches Coachingangebot für jeden Lehrer. Der Lehrerberuf ist in der Auseinandersetzung mit Schülern, Eltern, Kollegen zwangsläufig sozial anstrengend, hier muss ein Anspruch auf qualifizierte Beratung geboten sein.

Doch eigentlich ist das Bildungsthema auf Bundesebene eine reine Nebelmaschine, denn dafür sind so klar die Länder zuständig, das jede Aussage von einem Bundespolitker vollkommen ohne Relevanz ist. Mir tun die Vertreter der FDP und der CDU echt leid, wenn sie auf den Podiumsdiskussionen der Wahlgang fast ausgebuht werden für Dinge, die weder in ihren Entscheidungs- noch in ihren Politikbereich fallen. Bundeswahlkampf sollte mit bundespolitischen Themen geführt werden und da gehört Bildung (außer Bafög) nur am Rande dazu.

(An alle Genderbewegte, Studenten Studierende haben so die Nase von “SuS” (Schüler und Schülerinnen) voll, dass ich mir inzwischen das generische Maskulinum lobe, denn auch eine Frau kann Rektorin sein.)

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Eine Reaktion zu “Punkt 4.3, Abschnitt 2, “Erziehungsarbeiter””

  1. Sarah

    Großartiger Artikel (vor allem der letzte Absatz). Weiter so!

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