Waren Piraten nicht mal cool?
23. September 2009 um 11:45 Uhr von ChristineSo, diese Woche ist Piratenwoche und ich bin in Kampflaune!(Dann ist natürlich noch Wahlentscheidungswoche, tut hier aber nichts zur Sache).
Wer sind die Piraten? Gute Frage, Themen haben sie nur wenige und eigentlich sind drei davon auch noch ein und das selbe Thema nur in verschiedenen Versionen: Open Access, Urheberrecht, Patentrecht. Die Piraten sind für open access- also Benutzbarkeit der Daten und Arbeiten Dritter z.B. in der Forschung. Heißt Forscher mit viel staatlicher Förderung muss seine Arbeiten jedem zugänglich machen, damit armer Forscher ohne staatliche Förderung mit diesen Ergebnissen auch (weiter) arbeiten kann. Da komme ich noch hinterher, kann ich zum Teil nach vollziehen- wobei ich einschränken muss: wer entscheidet über Fördergeldervergabe und aufgrund welcher Kriterien? Und hat Forscher A schon Jahre gearbeitet, ist es dann gerecht, wenn Forscher B diese Lebenszeit von Forscher A geschenkt bekommt? Hier entscheidet das Herz in Grundsätzlichkeiten, es walte jeder wie er mag. Das führt mich dann zum Urheberrecht und da denke ich mir: “geht’s noch?” Wenn du zu geizig bist für ein Buch, eine CD, ein Film zu zahlen, dann schreib doch selber ein Buch, nimm eine CD auf, mach einen Film!- kannst du nicht? Zu dumm, die die es können machen das als JOB und möchten berechtigter Weise für ihre Arbeit bezahlt werden.” So ich bin also absolut gegen eine Aufhebung des Urheberrechtes. Wenn niemand mehr die Musiker, Autoren und Filmemacher bezahlt, müssen die putzen gehen und wir werden ein kulturloses Land mit einem Haufen depressiver Schattenkünstler. Ähnlich verhält es sich mit dem Patentrecht, wobei ich hier eher darin unterscheide, ob unser Patentrecht eventuell Fehler hat. Wenn z.B. eine Firma den kleinen Mann ausbluten lässt (dem geht nach 10 Jahren das Geld aus um seine Idee zu schützen) und die Idee dann für nen Appel und ein Ei bekommt, dann macht das Patentrecht wenig Sinn. Hier könnten niedrige Gebühren helfen. Und dann noch mal zu den Piraten: alle Geschäftsideen frei zugänglich machen? Eine geklaute (oder geschenkte) Idee bringt gar nichts. Um eine Geschäftsidee umzusetzen muss man Leidenschaft, Ausdauer, Ehrgeiz und Mut haben. Das erfordert Kreativität und einen guten Businessplan. Hat man dies nicht, wird man mit der geklauten Idee scheitern.
Was macht die Piratenpartei noch? 1.) Sie empfängt mich offenen Armen Politiker, die ein Verfahren wegen Kinderpornografie am Hals haben. Das Argument “im Zweifel für den Angeklagten” finde ich harnebüchen. In dem Fall könnte man dem Parteibewerber anbieten, dass Verfahren abzuwarten im Kontakt zu bleiben und nach Abschluss des Verfahrens eine Entscheidung zur Aufnahme fällen. Ansonsten kommt der Verdacht auf, dass populistische Gründe und das Bundestagmandat des Bewerbers Grundlage der Entscheidung waren.
2.) Schmusen am rechten Rand: zwei Fettnäpfchen in zwei Monaten, ich glaube die müssen noch üben und a) zuhören was Parteimitglieder so von sich geben und b) sich informieren wem man ein Interview gibt, bevor man es gibt.
Die Kommentare zu der Distanzierung vom Junge Freiheit Interview nährt den Verdacht, dass es so einige Interessenten des rechten Randes an der Piratenpartei gibt. Die Frage ist: macht das der coole Name, oder doch vielleicht die “Ausrutscher”? Wenn die Piratenpartei irgendwohin kommen will, dann sollten sie schleunigst zusehen sich ein deutliches Profil zuzulegen, und entscheiden, wie mittig, rechts oder links sie sein wollen. Und ein paar Themen mehr wären auch nicht schlecht, noch leben wir ja nicht in der Matrix.










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Am 23. September 2009 um 16:59 Uhr
A) Die Piraten sind nicht für eine generelle ‘Aufhebung’ des Urheberechts an sich(wenn auch für eine Lockerung), sondern vor allem für dessen Modifizierung hin zum ‘creative commons’-Modell. Dies ist ein flexibles Urheberrecht, welches es dem Autor bzw. Erschaffer von geistigen Gütern sehr felxibel ermöglicht selbst zu bestimmen, wie mit diesen weiter verfahren werden darf. Hier bestimmt nicht mehr die Industrie (Musik, Software, Verlage) sondern das Individuum. Also eine sehr liberale und auf den einzelnen Menschen bezogene Regelung von Urheberrechten und btw auch der heutigen Zeit angemessen.
B)Patentrechte haben zu solchen Entgleisungen geführt, wie die Klage eines US-Pharmakonzerns gegen eine billge Kopie eines Aidsmedikaments aus Südafrika, dass den Menschen kostengünstig von der Regierung zur Verfügung gestellt wurde. Die mehere hundert US-$ teuere Variante konnten sich die Menschen dort nicht leisten. In Afrika leiden aber Zig-Millionen von Menschen an AIDS mit drastischen sozialen Folgen. Soll hier etwa für ein bloßes Recht, konkret das Leben von Millionen Menschen geopfert werden?
C)Das mit Taus finde ich auch abstoßend - stimme ich zu. Hier hätten sich die Piraten in der Tat distanzieren müssen solange das Verfahren nicht abgeschlossen ist (Verurteilung - endgültige und 100% Distanzierung - Freispruch bedeutet in einem Rechtsstaat Rehabilitierung).
D) Ich finde diese Junge Freiheit Geschichte weniger dramatisch. Ein unerfahrener Politiker wurde übers Ohr gehauen und hat einen Fehler gemacht - ok shit happens. Daraus jetzt eine Staatsaffaire zu machen ist eine Mücke zu einem Elefanten aufzublasen. Bashing um des Bashing willens.
Anders als hier einseitig auf die Piraten einzudreschen hätte ich mir eine differenzierte Beurteilung der Partei gewünscht, wie ihr es ja auch bei anderen Parteien getan habt.
Am 24. September 2009 um 18:19 Uhr
zu C) ich muß euch da leider mal fragen ob ihr schon mal was von Art. 11 Abs. 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 gehört habt?
„Jeder Mensch, der einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, ist solange als unschuldig anzusehen, bis seine Schuld in einem öffentlichen Verfahren, in dem alle für seine Verteidigung nötigen Voraussetzungen gewährleistet waren, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.“
warum sollte ein Mensch der nicht durch ein ordentliches Gericht verurteilt worden ist, nachteilig beurteilt werden?
Sollte er von eben diesem Gericht für schuldig befunden werden, waren seine Taten verabscheuungswürdig und ihn muß die volle härte des gesetzes treffen.
zu D)auch da kann ich nichts verwerfliches finden, artikel 5 des Grundgesetzes: eine Zensur findet nicht statt!
warum soll eine Zeitung die offiziell publizieren darf keine Interviews bekommen?
auch wenn sie rechts angehaucht sein soll/ist?
Auch die Menschen aus dem rechten Lager haben ein Recht auf Information.
Ich finde es eher verwerflich diese Bevölkerungsgruppe aufs Abstellgleis schieben zu wollen!
Um wirksam gegen Rechts zu arbeiten MUß informiert werden.
Am 24. September 2009 um 20:15 Uhr
@ Braxez: da ich ja in meinen Beitrag schrieb, dass ich das Argument “Im Zweifel für den Angeklagten” für vorgeschoben halte, sollte dir eigentlich zeigen, dass ich durchaus Artikel 11 Abs. der allgemeinen Menschenrechtserklärung kenne, sonst hätte ich sie ja nicht zitieren können( wenn auch in einer einfachen Umschreibung). Zu dem Recht eines jeden Interviews zu geben, wem man möchte: klar das Recht haben sie, aber man darf sich schon darüber wundern, denn auch das ist ein Grundrecht: freie Meinungsäußerung.
@ Tom: ich habe deinen Kommentar mit großem Interesse gelesen, und ich danke dir für die Informationen zu den Vorhaben bezüglich des Urheberrechtes der Piraten, die ich so nicht kannte und die so nicht auf Ihrer Internetseite nachzulesen sind. Das ist eine andere Ausgangslage, als eine komplette Aufhebung des Urheberrechts. Bei dem Patentrecht stimme ich zu, dein Beispiel von den HIV Medikamenten ist ein sehr Anschauliches für die Entartung eines solchen Rechtes. Da ist es doch interessant sich Gedanken zu machen, wie man solche Fälle lösen kann, ohne das Patentrecht komplett aufzuheben. Vielleicht durch Sparten Öffnung wie bzw. Medikamente.Ist aber sicherlich ein Thema, das sich nicht nebenbei abhaken lässt.
Ansonsten finde ich gar nicht, dass ich so sehr auf die Piraten eingedroschen habe. Sie stehen in der Öffentlichkeit, sie wollen Politik machen und durchaus auch polarisieren- ich glaube die können das vertragen. Ganz davon abgesehen, muss man einer jungen Partei die Hand halten, damit sie nicht verschreckt werden? Und muss man alles gut finden? Wer raus geht wird gehört und dem wird geantwortet. Ist doch besser als unsichtbar sein.