Der Wahlkampf beginnt
11. August 2009 um 11:39 Uhr von Christine…und damit mein Einzug in die WG.
Wie bin ich hier gelandet?
Als ich von dem Projekt “Wechselwähler WG” das erste mal hörte, war alles noch sehr vage für mich. Was wollen die? Was könnte meine Aufgabe sein? Aber mein Interesse war geweckt: ich interessiere mich für Politik, schon durch meine Erziehung- meine Mutter hat für verschiedene Zeitschriften im redaktionellen Bereich gearbeitet, und das Thema Integration wurde bei uns groß geschrieben. Der Stiefvater Journalist und Soziologe- naja, das prägt eben.
Allerdings ging ich zunächst in Rebellion zu Intellektuellen, die waren mir zu verkopft und nicht “Strassennah” genug.Heute kann ich mit Abstand auf diese Phasen schauen und bin nicht mehr so leicht beeinflussbar. Was mir wichtig ist: ich möchte meine politischen Einstellungen überprüfen. Sind die eigentlich fundiert, oder folge ich seit Jahren blind irgendwelchen Klischees? Hierin sehe ich meine Aufgabe für die WG. Lupenarbeit. Themen die mich angehen habe ich genug: Familienpolitik, Finanzpolitik, Kulturressort - um nur ein paar zu nennen.
Ich schaue mich also um, und was sehe ich? Wahlplakate! Lustige, bunte, humorvolle Wahlplakate. Ich bin erfreut. Da ich hauptsächlich im Wahlbezirk Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin herumgurke, habe ich das Glück mir kreative Plakate anschauen zu können und nicht den langweiligen Einheitsbrei. Werfen wir doch mal einen Blick darauf:

SOCIALIST, Baby! Nach dem ich erst mal über den Slogan “mit Arsch in der Hose in den Bundestag” sehr gelacht habe, kam ein Fragezeichen. Was soll das heißen? Das Männer keine Ärsche haben (juchhu als Frau in den Bundestag!)? Oder das man mit Arsch besser denken kann? Ist Mann bzw. Frau dann weitsichtiger, klüger, der/die bessere Politiker/in? Und was tut dies Hinterteil für uns? Für die Gesellschaft? Fragen über Fragen! Aber zumindest erregt es Aufmerksamkeit, und ein herzhafter Lacher am Morgen ist mir symphatisch.
Zum Nächsten:
Dieses Plakat spricht mich am meisten an. Gut, es ist ein bisserl von Obama geklaut, wie der Tagesspiegel und Berlin Online gleich herausstellten, aber es hat, neben einem mich ansprechenden Bild (so sanft, so freundlich, so Vertrauen erweckend, wie ein guter alter Freund mütterlicherseits…), tatsächlich eine Message. Das Thema ist Familien- und Kinderfreundlichkeit. Es wird mokiert, dass Politiker sich zuviel mit Kindern fotografieren lassen, statt etwas für sie zu tun. Nun, dem stimme ich zu. Dieses Plakat erreicht mich. Nur wer ist der Typ darauf? Muss ich mal Wikipedia fragen (Antwort folgt…).
Number three:
Gääääähhhnnn.
Der Ströbele als Comicfigur ist ja nichts Neues. Ich weiß ja, die Dinger sollen uns Kreuzbergern als Kult verkauft werden, aber ehrlich, wer will so was schon in der Küche hängen haben? Ich mag ja den Ströbele. Der ist volksnah, sieht nett aus, hängt gerne im Kiez ab, aber die Plakatgestaltung ist nicht meins.Die Aussagen in den Sprechblasen eher. Er nimmt mit wehenden Fahnen Sturm auf den Bundestag. Im Anhang pazifistische, Natur liebenden Demonstranten. Er schaut grimmig, aber zum Glück weiß man ja, das er niemanden körperliches Leid antun wird, das wäre ja gegen sein Prinzip der Friedfertigkeit. Was will er? Laut Plakat:
“Entwaffnet die Finanzmärkte”, “Schluss mit den Plünderungen der Staatskassen” und Ähnliches steht da. Hört sich gut an. Aber auch sehr populistisch.
Wo sind die Antworte? Die Parteien schmeißen mit Ansagen um sich, aber die Antworten? Kampfansage CDU: “Wir haben die Kraft”. Kraft ist gut, aber wie wird die eingesetzt? Konkret bitte!
Das ist denn auch die Brücke zum nächsten Plakat und einem weiteren Highlight am Morgen:
Busen im Kampf ums Amt! Und dette gleich doppelt gemoppelt.
Ich finde die Dekolletés der Damen sehr schön, und es zeigt doch mal wieder, dass Frau sich auch mit über 55 trauen sollte reizende Kleider zu trage. “Wir haben mehr zu bieten”. Jaaa ich weiß, ist ironisch gemeint. Aber wäre doch hübsch gewesen noch kleine Buttons ans Kleid zu klammern mit Aussagen darüber, WAS sie zu bieten haben.
Ich merke, die Plakate werden mir nicht die Antworten geben, die ich für meine Entscheidungen brauche. Heißt, ich stürze mich als nächstes in die Wahlprogramme der Parteien. Vielleicht macht mich das schlauer und bringt mich einer Antwort näher…










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Am 11. August 2009 um 17:59 Uhr
Das ist so ungerecht, dass ihr im Szenkiez diese wirklich netten Plakate vorgesetzt bekommt und sich der Rest der Republik mit den Tranvisagen politischer B-Prominenz herumärgern muss. Naja, ein paar Plakate haben meine Aufmerksamkeit dann doch auch erregen können, so dass ich spätestens morgen auf Deinen Auftaktbeitrag antworten kann…