Freitag fragt: sind Volksparteien zeitgemäß?

3. September 2009 um 10:59 Uhr von Christine

Was für eine schöne Frage! Darüber genau habe ich mir vorgestern Gedanken gemacht, die Landtagswahlen Revue passieren lassend und die katastrophalen Ergebnisse und Verluste von CDU und SPD anschauend.

In Anbetracht dessen, dass 18 % der Deuschen laut einer Forsa Umfrage, Horst Schlemmer, eine Kunstfigur, zum Bundeskanzler wählen würden, muss man sich schon Fragen, ob wir nicht ein Riesenproblem in Deutschland haben. Einen Komiker (einen hervorragenden zwar- aber eben Komiker), einem realen Politiker vorzuziehen, zeigt eine Politikverdrossenheit sondergleichen. Anscheinend erreichen die Volksparteien einen Großteil der Bevölkerung nicht mehr. Könnte eventuell daran liegen, dass sie große Klasse darin sind, Dinge zu versprechen, und sie dann nicht zu halten, oder nur zögerlich, oder nur in einer abgespeckten Version. Wenn ich Frau Merkel reden höre, bin ich genervt. Nicht weil ich sie dumm oder unsympathisch finde, aber ich habe das Gefühl, dass es unter 10 Sätzen nicht geht, und dass die vorherige Frage nicht in einer Antwort, sondern in einem Monolog über Alles und Nichts endet und vor allem mit einem klopfen auf die eigene Schulter.  Mich stört auch die Redewendung “für die Menschen in unserem Land”. Das hört sich so abstrakt und unpersönlich an. Das geht mir bei vielen Politikern so, vorwiegend bei denen von den Volksparteien. Ich glaube das Volk an sich ist so bunt, so umfangreich, mit so vielen Splitterhaften Interessens- und Erwartunghaltungen, dass eine Partei es grundsätzlich  sehr schwer hat, diese verschiedenen Bedürfnisse zu befriedigen. Da dies der Sinn einer Volkspartei ist, nämlich für den größten Anteil der Bevölkerung zu stehen, ist die Volkspartei an sich vielleicht wirklich ein Auslaufmodell. Ich begrüße das nicht, den ich finde, dass der Anspruch  an nur ein/ zwei Hauptthemen, sei es im sozialen Bereich, oder in der Umweltpolitik ungenügend ist und man nachhaltig und umfassend denken muss. Alles hat Einfluss auf alles- nimmt man Geld aus der Entwicklungförderung, ergibt es eine Konsequenz, die unter Umständen dazu führt, dass man das gleiche Geld, dann kurze Zeit darauf in einen “Friedenseinsatz” stecken muss. Verschiebt man Steuern, wirkt sich das auf die gesamte Wirtschaft aus. Was also tun? Ich schlage vor: entstaubt euch. Guckt euch die Welt an, wie sie ist und nicht wie sie sein sollte. Legt ein paar Traditionen ab, redet direkt, verständlich und zu den Leuten, die euch einen Auftrag gegeben haben und redet nicht nebulös über “die Menschen”. Geht mal ein paar Tage in ein Altersheim und pflegt jemanden. Geht Babysitten, lebt mal zwei Wochen auf Hartz 4 Niveau, besucht die örtliche Polizeistation und fahrt auf einen Einsatz mit. Geht in ein mittelständischen Betrieb.  Lebt mal- zumindest für ein paar Tage- dass Leben “der Menschen”. Damit ihr wieder Kontakt bekommt zu der Welt in deren Auftrag ihr Entscheidungen trefft. Dann klappt es vielleicht auch wieder mit dem Volkspartei sein.

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2 Reaktionen zu “Freitag fragt: sind Volksparteien zeitgemäß?”

  1. Gerd Nothhaft

    Ich verstehe die Fragestellung und die Aufregeung nicht! Parteien sind durch demokratische Wahlen legitimierte Organe, die Partei für ihre Anhänger und Wähler ergreifen. Was ist verkehrt daran? In den letzten 100 Jahren sind Menschen gestorben dafür, dass sie sich für dieses demokratische (=volkshersschaftliche) System stark gemacht haben. Wollt ihr statt einer Demokratie lieber einen Hitler oder Stalin? Nur zu, es gibt ja noch genügend Menschen, die man umbringen kann!

  2. Christine

    Hä? Haben sie meinen Beitrag gelesen? Ich verstehe ihre Antwort überhaupt nicht. Ich befürworte in meiner Stellungsnahme Volksparteien. Und wenn ich nicht für die Demokratie wäre, würde ich mich wohl kaum in diesem Forum mit Beiträgen beteiligen. Wie also kommen sie zu der Schlussfolgerung, dass ich in irgendeiner Form mir ein Regime wie unter Hitler oder Stalin wünsche?

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