Nach dem S-Bahn Mord…

17. September 2009 um 11:33 Uhr von Christine

…: brauchen wir wirklich mehr Polizei?

Ich frage mich: wo zum Teufel sind die Streetworker hin, die in den 80igern so populär waren. An jeder Eck ein grünes Männchen, ja, das würde vielleicht helfen, aber will man an jeder Ecke ein grünes Männchen?  Und wie viel ist “mehr”? 1/2/3? Hätten drei Polizisten mehr, in einer großen U-Bahn Station, das mitbekommen? Sollte in jedem Wagon jetzt ein/e Polizist/in mitfahren? Es gab schon manche Situation, da hätte ich mir das gewünscht, aber das Problem (Jugenverwahrlosung/Jugenkriminalität/Unzufriedenheit/Aussichtslosigkeit/Allein sein/Soziale Inkompetenz) wird dabei nicht an der Wurzel gegriffen. Und bestimmt auch nicht durch längere Haftstrafen. Jemand der so verloren ist in jeglicher Hinsicht, dem ist das schnurz ob er für Mord 10, oder 15 Jahre sitzt. Ich glaube kaum, dass einer der Jugendlichen nur einen Moment dachten “upps, lieber nicht weiter machen, sonst komme ich in den Knast”. Es ist einfach erschütternd und traurig, dass bei diesen fast erwachsenen Kindern offensichtlich jede Instanz- Eltern, Schule, Sozialarbeiter?- versagt hat. Ein Mann starb für seine Zivilcourage.Da stimmt so tiefgreifend was nicht, dass ist nicht durch Polizeipräsenz aufzuheben.

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3 Reaktionen zu “Nach dem S-Bahn Mord…”

  1. Gerd Nothhaft

    Hi Christine,
    ich gebe Dir recht: Es ist keine Frage von mehr Polizei oder mehr Streetworkern. Es ist ein gesellschaftliches Problem, das (leider) auch in der Wechselwähler-WG ganz offen zu Tage tritt. Man mag ja über die Altvorderen (ich gehöre dazu) denken, wie man will. Eine Gesellschaft braucht Regeln, nach denen sie sich richten kann. Ein Grundgesetz z.B., das die Menschenrechte garantiert, ein Verkehrsrecht, das regelt wann wer fahren oder gehen kann, oder warten muss und auch einen allgemeinen Verhaltenskodex. Es ist heute üblich, dass Frauen ganz bewusst sagen, sie möchten ein Kind, aber brauchen den Erzeuger nicht zum Partner. Hochachtung vor der Frau, aber was sind die Konsequenzen? Die Mutter bestimmt, dass das Kind nie seinen Vater (und die männlichen Verhaltensmuster kennen lernt). Meist muss sie dann aus Steuergeldern finanziert werden und findet nach der “Babypause” auch keinen Job mehr. Ist das richtig?
    Eigentum scheint keine schützenswerte Sache mehr zu sein, egal ob privat oder öffentlich. Da wird Müll (McDonalds-Tüten und Behältnisse) nicht in Mülleimer entsorgt, Wände sinnlos und meist hässlich “besprayt”. Verkehrszeichen, Haltestellen, Schulen verunstaltet, Scheiben zerkratzt. Ist das richtig?
    Tausende ehrenamtlicher Kommunal- und Kreispolitiker, die sich bemühen, in ihrer Freizeit für die Dinge des täglichen Lebens zu sorgen, für Kitas, Schulen, Straßen, Obdachlosen-Unterkünfte, Kunst, Kultur, usw., werden öffentlich diffamiert, weil es “nun mal Mode ist, Politiker zu schelten”. Ist das richtig?
    Fast die Hälfte der Wahlberechtigten gehen nicht zur Wahl und brüsten sich auch noch damit, Nichtwähler zu sein! Alles schon vergessen? Vor 40-120 Jahren haben Menschen ihr Leben gelassen, weil sie für die Demokratie eintraten, vergessen die Weltkriege, vergessen Nazi-Terror, Stalin-Morde, Mauerbau, Schießbefehl, Tote?
    Eine Partei ist eine Partei, weil sie “Partei ergreift” für ihre Anhänger, für die Bürger in einem demokratischen System. Ein jeder hat das Recht, sich die Partei seiner Wahl auszusuchen, oder selbst eine zu gründen und dafür zu “ackern”. Das ist doch das Wesen einer Demokratie und somit richtig - oder etwa nicht?
    Eine Gang von hirnverbrannten Idioten kann -wie das Beispiel zeigt - einen beherzten Mann zu Tode prügeln - aber nicht einen ganzen Waggon voller beherzter Mitbürger! Hier ist der Punkt zum Umdenken. Nicht das einprügeln auf die Politk, nicht die Ausweitung staatlicher Gewalt ist angesagt, sondern die Besinnung auf unsere bürgerlichen und demokratischen Werte und deren Durchsetzung. Schon vergessen? WIR SIND DAS VOLK! Jeder, ich wiederhole: jeder sogenannte, selbstgefällige Nichtwähler trägt in voller Absicht dazu bei, dass extreme Parteien vom linken oder rechten extremen Rand erstarken. Wollt ihr das wirklich, ist das so richtig?
    Ich bin auf euere Kommentare gespannt!
    Gerd+++

  2. Christine

    Hallo Gerd, danke für die ausführliche Antwort. Als erstes möchte ich generell noch mal klären was “die Wechselwähler” sind, bzw. welche Idee hier verfolgt wird. Wir sind keine “Nichtwähler”, sondern im Gegenteil. Wir wählen, aber nicht irgendetwas, sondern versuchen genau hinzuschauen und eine fundierte Entscheidung zu treffen, losgelöst von Tradition und Sozialisierung. Das ist nicht leicht, erfordert dies doch eine Überprüfung seiner selbst und Jahrelang gehegter Glaubenssätze. Wir (die Wechselwähler)sind dazu da, den vielen “Wechselwählern”- im übrigen ein vorwiegend auftretendes Phänomen unter Links/Mitte Wählern- ein Gesicht zu geben. Ich weiß nicht, ob dir das so bewusst ist, da du nun schon zweiten Mal in einen Kommentar von dem erkämpften Recht auf Wahlen sprichst.
    Also noch mal: wir sind dafür wählen zu gehen, und von diesem Recht der freien Wahlen Gebrauch zu machen!!!
    Und dann würde ich gerne wissen, warum deiner Meinung nach ein gesellschaftliches Problem auch bei den Wechselwählern deutlich wird?
    Ansonsten stimme ich dir in vielen Teilen deiner Ausführungen zum Sinn der Demokratie und den Parteien zu.
    Mit besten Grüßen,

    Christine

  3. Anderer Tobias

    Gerd schrieb:

    Jeder, ich wiederhole: jeder sogenannte, selbstgefällige Nichtwähler trägt in voller Absicht dazu bei, dass extreme Parteien vom linken oder rechten extremen Rand erstarken.

    Warum sind Sie sich so sicher, dass die Nichtwähler nicht vielleicht diese von ihnen verabscheuten extremen Parteien wählen würden? Wenn jemand keine Ahnung von Politik hat, dann ist es doch völlig richtig für ihn, nicht wählen zu gehen. Die Nichtwähler sind halt so ehrlich zu sagen: Da kenn ich mich nicht aus, das lass ich lieber. Besser, als einfach irgendeine Partei zu wählen.

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