Nutella und “Atomkraft, nein danke”!
3. September 2009 um 11:23 Uhr von ChristineLeere Spaghettiteller, Kerzen, Salatschüsseln. Um den Tisch zwischen 3 und 6 Personen. Es ist laut, es wird gelacht, der Wein perlt in den Wassergläsern, ich trinke Kakao zu jeder Tages- und Nachtzeit. Freunde bereichern unser Leben. Politisch Uninteressierte gibt es nicht in meinem Umfeld. Es wird diskutiert bis die Augen zufallen, argumentiert, zugehört, verbal zurück geworfen. Ich mittendrin. Immer. Mir hat man schon als 8 Jährige zugehört, meine Spezialität: immer aus dem Bauch raus. “Was die Menschen in der DDR dürfen nicht ausreisen? Warum stellen die sich nicht alle zusammen ans Tor und sagen, dass sie das nicht wollen?” Ich wurde nicht belächelt, mir wurde ausführlich dagelegt, warum das nicht geht. Dass das dann doch ging ist ja eine andere Sache. Meine Schwester war die Intellektuelle von uns, sie konnte schon mit 11 (und das ist nicht gelogen) jeden in Grund und Boden diskutieren- mit fundiertem Wissen. Ich nannte sie auch das wandelnde Buch. Meine Mutter, alleinerziehend, ist interessiert und saugt von ihrem Umfeld auf, was geht. Rosa Latzhosen, Frauenpower, mit dem Rucksack durch Griechenland reisen (meiner war so groß, ich konnte nur vorn über gebeugt laufen)- meine Kindheit ist geprägt von Reisen, Diskussionen und dem unbedingten Willen meiner Mutter uns zu zeigen, das es noch mehr gibt als die Einkaufstrasse in unserer Kleinstadt. Vorurteile wurden scharf kritisiert, für Unterdrückte und Asylanten hatte man sich einzusetzten, dass galt als moralische Verpflichtung. Grün hieß unsere Marschrichtung. Daneben steht, dass der Vater meiner Mutter CDU Bürgermeister in seinem Dorf /Landkreis war und dieses Amt nun mein Onkel seit Jahren inne hat. Meine Mutter kommt vom Land, und da wählt man CDU, zumindest wenn man einen Bauernhof hat. Das heißt, wir waren in unserem Kosmos sehr glücklich, aber in dem Kosmos dahinter waren wir die Verrückten. Das hat meine Mutter nicht daran gehindert, ihrer Überzeugung weiter zu folgen und das macht mich sehr stolz. Ich bin mit einem Selbstverständnis der Gleichberechtigung aufgewachsen, aber meine Mutter hat dafür gesorgt, dass ich weiß, wem ich das zu verdanken habe, und mich gelehrt, das Feminismus kein Schimpfwort ist und eine Notwendigkeit war. Deswegen ist mir auch klar, dass es noch keine Hundertprozentige Gleichberechtigung gibt (siehe z.B. Löhne). Wir hatten den “Atomkraft nein danke” Aufkleber an unserem Auto und das Nutella am Frühstück, wir sind jedes Jahr mehrmals in den Urlaub gefahren und hassen Pauschalreisen bis heute. Urlaub heißt Abenteuer, heißt fremde Kultur, heißt woanders leben. Menschen anderer Nationen sind eine Bereicherung und keine Bedrohung. Die Welt ist unser Zuhause und wir haben unser Zuhause sauber zu halten und zu beschützen. Wir leben in einer Demokratie, profitieren davon und geben zurück. Das ist die politische Heimat, die mir meine Mutter gab und die mich prägt. Bis heute.










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