Wer ist denn das?
24. August 2009 um 11:26 Uhr von ChristineMit etwas Verspätung kam ich gestern zum Treffen mit Björn Böhning. Zu meinem Erstaunen saß dann aber da Eva Högl, Kandidierende der SPD für den Wahlkreis Berlin Mitte. Frau Högl ist der Typ Frau, der einem gleich bekannt vorkommt: haben wir uns nicht schon mal gesehen? Sind wir in der gleichen Kleinstadt aufgewachsen? Kennen Sie meine Mutter? Nichts von alledem. Frau Högl ist einfach der Typ Mensch, der durch seine Offenheit ein Gefühl von Vertrautheit erschaffen kann. Interessant.
Obwohl Eva Högl kurzfristig für Björn Böhning eingesprungen ist, wirkte sie gut vorbereitet. Naja, ist ja auch Wahlkampf, da ist man wohl im Training. Egal ob wir Fragen über ihre WG Tauglichkeit oder zum Parteiprogramm stellten, ihre Antworten kamen glatt, schnell, heiter und gepaart mit einem Ausdruck der Neugier. Ich glaube sie hatte Spaß.
Unser Thema war unter anderem der Deutschland Plan, kürzlich vorgelegt von Frank Walter Steinmeier. Das Papier, welches (Oh Gott wie kann er nur! kreischt die Republik) 4 Millionen Arbeitsplätze verspricht. Frau Högl hat sehr simpel und schnell mit Hilfe einer Zeichnung erklärt, wo diese Arbeitsplätze zu finden seien, nämlich in der Energiewirtschaft, sowie dem Pflegebereich. Soweit so gut. Die Finanzierung allerdings ist mir nicht klar geworden. Ich will kein Schwarzmaler sein und ich denke durchaus, dass Geld, welches in einen Industriezweig gesteckt wird, auch irgendwann zurück fließt, aber woher kommt die Anstoß-Finanzierung? Wo will die SPD sparen, und wie sieht die Umverteilung aus? Ich habe hierauf keine Antwort oder einen Hinweis im gestrigen Gespräch finden können.
Da wir für die Energiewirtschaft auch gut ausgebildete Fachkräfte brauchen, war für mich die Bildungspolitik der SPD von Interesse. Als Mutter kann ich aus Erfahrung sagen: Da muss noch ordentlich dran gearbeitet werden! Übergroße Klassen, wenig Personal und aggressive Stimmung auf dem Schulhof werden uns keine kleinen Einsteine zaubern. Vor allem fehlt es an Geld und Lehrkräfte, um kleinere Klassen und damit bessere Betreuung der Kinder realisieren zu können. Frau Högl erklärte, dass die SPD deswegen den Spitzensteuersatz um 2 % anheben möchte, um diese zusätzlichen Einnahmen in einen Bildungssoli zu investieren. Dank für eine konkrete Antwort an dieser Stelle!
Eine Aussage stach für mich besonders heraus. Frau Högl sagte, dass die SPD deswegen eine Volkspartei sei, weil sie nicht nur Geringverdiener oder Menschen ohne Beschäftigung vertritt, sondern eben auch jene in der gehobenen Mittelschicht. Daher müssen sie die Waage zwischen Wirtschaft und Sozialpolitik finden, um diesen verschiedenen Gruppen mit so verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Das erscheint mir ein ordentlicher Spagat zu sein und ich fände es wünschenswert, wenn eine Partei dafür sportlich genug sein würde. Zur Zeit bin ich mir unsicher, ob die SPD das kann- trotz aller guten Vorschläge. Ich vermisse das Eindeutige. Wo ist euer Schwerpunkt? Interessanterweise findet Frau Högl bei anderen Parteien, wie den Grünen beispielsweise, genau hier die Schwäche- nämlich das fokussieren auf bestimmte Schwerpunkte. Dadurch bieten Parteien wie Die Linke oder die Grünen, nach Meinung von Frau Högl, kein Gesamt- Gesellschaftliches Konzept, so wie der Eulenpapa. Dafür bietet mir diese Aussage eine Menge schöner Fragen an unseren Gast von den Grünen. Ich nehme mal an, die sehen das etwas anders.
Zweimal rot in einer Woche. Momentanes Fazit: Die SPD will für das Volk da sein, egal ob oben oder unten- ein schweres Unterfangen. Die Linken wollen Robin Hood spielen- ehrwürdig, aber realistisch? Trotz soviel rot, ist mein Bild noch blass, mal gucken ob da grün helfen kann.










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Am 24. August 2009 um 12:19 Uhr
Schöner Beitrag. Ich fand sie am Anfang etwas Heititei-Politiker-”natürlich-habe-ich-Kinder-lieb”, aber wenn wir die HumanTouch-Nummer machen, ist ja sowas zu erwarten. Schön, dass es auch in den Parteien, die ich bisher nicht so im Blick hatte, kompetentes Personal gibt. Fand gut, dass sie ehrlich ihre Zweifel gegenüber der Parteilinie klar gemacht hat (Sichere-Drittstaaten-Regelung als Fast-Austrittsgrund, rotgrün hat die Drogenpoltik vergeigt - “Legalize it.” und ihre Zweifel trotz Fraktionszwanges für das Projekt Zensursula zu stimmen.) Wählbar, die Eva, würd ich sagen und das sage ich nicht wegen des Bestechungsfreibiers in Wedding.