Was heißt Demokratie?

22. August 2009 um 19:13 Uhr von Eberhard

Bei den Diskussionen um direkte Demokratie ist mir aufgefallen, das wir zwar alle von “der Demokratie” reden, aber die Vorstellen was das sein soll weit auseinander klaffen, deshalb werd ich hier mein Bild vom Demokratie erläutern:

Man kann die Wahl der richtigen Partei in gewissem Sinne mit der Wahl des richtigen Handwerkers vergleichen.Wenn z.B. ein Rohr bei mir kaputt gegangen ist und es repariert werden muss, besorg ich mir als erstes Informationsmaterial. Welche Handwerker gibt es überhaupt, wahrscheinlich hab ich schon mal Werbung gekriegt, oder welche im Fernsehn gesehn, wenn nicht lass ich mir was zuschicken.

Nachdem ich meine Nötige Informationen habe fang ich an zu vergleichen: Was bietet der eine, was der andere. Wieviel Erfahrung haben die, und ist das überhaupt realitisch?   Da ist’s wie bei den Parteien, alle beschönnigen ihre Dienste natürlich etwas, die einen etwas weniger und die anderen versprechen mir gleich das TIPTOP Rohr gratis  zu verlegen. Da muss ich dann selbst entscheiden was ic hfür realitisch halte. Ich frag auch mal bei meinen Verwandten und Freunden nach welchen die letztes Mal hatten, und diskusitier vielleicht mit ihnen ob die ihre Arbeit gut gemacht haben( nee ich find dein Rohr hätte weiter hcohgemusst etc.). 

Nun habe ich die Vorauswahl getroffen und jetzt gehts um prinzipielle Dinge, will ich ein Kunstoffrohr oder Keramik(Soziale oder neokap. Marktwirtschaft? ) das Rohr so oder so dick, ich red direkt mit den Handwerkern oder verlass mich auf meine Broschüren.

Dann ist es endlich so weit: einer ist gewählt, bestellt und fängt jetzt an das Rohr zu verlegen. Jetzt heißt es: Vertrauen! Ich darf und kann ich schlecht direkt  in seine Arbeit reinreden( du musst die andere Schraube benutzen! nein die Zange muss 20 Grad höher gehalten werden!) . Nur wenn er grob gegen das Verstößt was vereinbart wurde(ganz anderes rohr etc. ), dann kann ich wutschnaubend demonstrieren. Letzendlich muss ich ihm als Fachmann trotzdem vertrauen, wenn er sagt es musste so und so sein anderst ging es dann - nehm ich das erstmal hin. Abgerechnet wird später.

Nach getaner Arbeit schließlich kann ich das Werk betrachten und mich entscheiden ob ich zufrieden. Wenn ich sag: ok es war nicht alles so wie er’s versprochen hat aber eigentlich hat er’s ganz ok gemacht, oder: er hats nich so gut gemacht aber die andern Handwerker sind alle noch viel unfähiger, dann werd ich ihn nächstesmal wieder wählen und ihm nochmal einen Auftrag erteilen. Wenn ich der Meinung bin, dass es ein anderer besser gemacht hätte geb ich dann nem anderen den Auftrag.

Und so funkioniert meiner Meinung eine sinnvolle Demokratie: Man wählt Parteien und übergibt ihnen die Verantwortung für eine gewisse Zeit. Wenn man nach ihrem Regierungsauftrag der Meinung war das sie’s gut gemacht haben wird man sie behalten wollen, ansonsten feuert man sie und nimmt die nächste. Freie Marktschaft. Das ist Politik.

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2 Reaktionen zu “Was heißt Demokratie?”

  1. Martin

    Es geht in der Politik nicht um pures Handwerk, sondern um kreatives Gestalten. Die “Handwerker” sind in den Ministerien fest angestellt und werden bei der Wahl gar nicht ausgetauscht - das sind nämlich die Fachjuristen, die die Gesetze formulieren sollen. Solche Fachjuristen sind zusätzlich beispielsweise in den Fraktionen und beim wissenschaftlichen Dienst des Bundestages angestellt.

    Was der Handwerker in deinem Beispiel aber kann ist Folgendes: Er kann deine Wand einreißen und ein neues Zimmer nebendran bauen und es ist dir nicht möglich, das zu verhindern. Du kannst ihn zwischendurch nicht einmal feuern.

    Ich denke, Demokratie ist keine Regierungsform und schon gar nicht eine Staatsform. Es kommt nicht darauf an, wer Beschlüsse fasst. Es kommt darauf an, wie diese Beschlüsse zu Stande kommen. Eine Demokratie soll den Anspruch haben, das Zusammenleben möglichst vieler Menschen bestmöglichst zu regeln. Aber wer weiß besser, was die Gesellschaft will, als die Gesellschaft selbst? Also alle?

    Das ist der Kern. Demokratie ist eine Lebensart, die darauf aus ist, mit möglichst vielen Menschen zusammen Entscheidungen zu treffen, die dann möglichst vielen Menschen nutzen. Nun ist es aber so, dass ein großer Flächenstaat wie Deutschland nicht dafür geschaffen ist, dass sich alle einmal pro Woche am Marktplatz treffen und die wichtigen Entscheidungen fällen - so wurde es oft in der Antike gemacht. Daher kann man, aus rein pragmatischen Gründen, Aufgaben delegieren. Das kann auch als demokratisch angesehen werden, wenn dadurch wirklich der Wille des Volkes ausgeführt wird. Eine Entscheidung, die im Sinne der Mehrheit des Volkes ist, ist durchaus demokratisch - wenn aber eine Entscheidung gegen die Mehrheit im Volk durchgesetzt wird, ist sie dagegen ziemlich undemokratisch, weil eben das Volk bewusst ignoriert wird.

    Es gibt drei Möglichkeiten, dieses praktisch durchzusetzen:
    1) Die politische Klasse lebt den nötigen Respekt vor dem Wähler in der Praxis aus - dieses trifft im Moment leider nicht zu.
    2) Das Volk bestraft es gnadenlos, wenn eine Fehlentscheidung getroffen wurde, dadurch, dass andere Parteien gewählt werden - sind dadurch die Verluste der SPD und der Stimmenzuwachs der FDP zu erklären? Und: Wählt man dann nicht ggf. gegen seine Interessen und muss eine Politik unterstüzen, die man nicht für optimal hält?
    3) Das Volk hat selbst Kontrollmöglichkeiten und kann ein Veto einlegen oder den Kurs selbst korrigeren. So machen es viele Staaten, nicht nur die Schweiz. Letztere sind aber allgemein sehr stolz auf ihre Demokratie. Sie findet in der Bevölkerung sehr breiten Zuspruch. Das können wir Deutschen nur nicht nachvollziehen, speziell im Osten.

    Ich denke, ohne die Möglichkeit, aktiv in die Politik einzugreifen, ist es ziemlich wage, wirklich von einer Demokratie zu sprechen. Ich denke dabei, dass schon alleine die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, als Abschreckung reicht. Man muss gar nicht “ständig” selbst entscheiden, es reicht, wenn man mit einem Volksentscheid drohen kann - siehe die Wahlrechtsänderung in Hamburg. Das liefert einen wichtigen Erziehungsfaktor für Politiker.

    Ich warte noch darauf, dass Volksentscheide auf Bundes- und Europaebene ermöglicht werden. Wenn diese praktikabel sind, bin ich vorbehaltlos bereit, von Deutschland als Demokratie zu sprechen. Im Moment würde ich nicht das Gegenteil behaupten, aber immer meine Zweifel zum Ausdruck bringen.

  2. Eberhard

    Erstmal vielen Dank für deine Post!
    Er war ausführlich, gut formuliert und mit starkem Inhalt.
    “Aber wer weiß besser, was die Gesellschaft will, als die Gesellschaft selbst? Also alle?”
    Genau da ist der Punkt an dem wir uns unterscheiden.

    Würde ich diesen Punkt bedingungslos bejahen wie du, dann würd ich dir komplett folgen und direkt Demokratie(so wie du es erläutert hast)folgt daraus stichhaltig und logisch.

    Der Punkt ist halt, dass ich’s nicht tue. Ich find die Gesellschaft weiß was schlecht für sie ist, aber nicht unbedingt was gut für sie ist. Schuld der Politiker ist es sicher nicht, dass wir in nem Berg von Schulden leben. Keine (Volks-)Partei hätte sinnvoll Steuererhöhungen oder Wählerstimmen zu verlieren propagandieren können. Die meisten sind einfach zu egoistisch auf sich bezogen, und denken kurzfristig und nicht unbedingt immer rational(siehe EU Beitritt gegenargumente Irland).

    Ich bestreite gar nicht dass es Länder gibt in denen die Mehrheit anderst ist(meinetwegen Schweiz). Aber bei uns denke ich(noch?) nicht. Und solang dass der Fall ist bin ich für eine präventive Demokratie, schlechtes kann abgewählt werden, die aber keine aktive ist, keine direkten Gesetze, weil ich denke dass es leichter ist schlechtes zu erkennen als den richtigen Weg zu finden.

    Aber ich denk die Frage ist zu recht sehr schwierig, ich kann keine Statistiken anführen die meine Meinung wirklich belegen,sicher genausowenig wie du welche für deine these anführen kannst. Deshalb denk ich ist das einfach ne Glaubenssache in der sich die Geister einfach scheiden :)

    Schönen Gruß
    Eberhard

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