Franziska Drohsel (SPD) über Wechselwähler
16. Juni 2009 um 22:04 Uhr von Sebastian BasedowDie Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel hofft auf viele Wechselwähler, die bei der Bundestagswahl zur SPD kommen.
Die Juso-Vorsitzende Franziska Drohsel hofft auf viele Wechselwähler, die bei der Bundestagswahl zur SPD kommen.
Die Wechselwähler-WG: Ab sofort nicht nur online, sondern auch On-Air!
Radio Fritz (rbb) wird in Zukunft über die Wechselwähler-WG berichten. Unser Konzept hat den Berlin-Brandenburg-Sender überzeugt. Interessant ist für Fritz besonders der interaktive Charakter der Wechselwähler-WG. Die Online-Community meinfritz.de bekommt Gelegenheit, sich aktiv ins WG-Geschehen einzumischen. Wir freuen uns!
2009 ist ein Superwahljahr und das gleich in dreifacher Hinsicht. Erstens: So viele Wahlen, die Deutschen betreffend, gab es seit 15 Jahren nicht mehr. Zweitens: Wahlkampf ist im Internet angekommen. (CDU gibt’s bei „Youtube“, „Twitter“ u.A. bei SPD und FDP, Grüne lassen von Parteitagen „bloggen“) Drittens: Wechselwähler werden immer begehrter!
Die Deutschen Gesellschaft für Wahlforschung (DGfW e.V.) hat im Mai die bisher größte nationale Wahlstudie gestartet. Das erklärte Ziel ist eine Antwort auf die Frage zu finden: Wie verändern Wechselwähler die repräsentative Demokratie? Die Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Sigrid Roßteutscher von der Goethe-Universität Frankfurt: „Die mobilere Wählerschaft stellt eine hoch komplexe Herausforderung dar - mit potenziell weitreichenden Konsequenzen für die repräsentative Demokratie in Deutschland“. (iwd)
Wir Netzdemokraten gehen mit unserer Wechselwähler-WG nicht ganz soweit. Dennoch wirft unser Projekt einen neuen Blick auf das Phänomen Wechselwähler. Auf ganz praktische Art und Weise, per Internet mit all seinen Möglichkeiten, soll erfahrbar gemacht werden, was Wählerinnen und Wähler zum Wechsel bewegt. Gemeinsamkeiten mit der Wahlstudie liegen auf der Hand: Der Wechselwähler mit seinem unentschlossenen Wahlverhalten steht im Mittelpunkt.
In einem Kurzinterview stellt sich Reinhard Bütikofer, Spitzenkandidat der Grünen zur Europawahl drei Fragen zum Thema Wechselwähler. Fazit: “Mir ist die Vorstellung sympatisch, dass sich die Leute von Mal zu Mal bewusst entscheiden.”
Der Ruf des Wechselwählers ist nicht unbedingt der beste. Wechselwahl suggeriert unstetes, wankelmütiges, unsicheres Verhalten. Wechselwähler - das sind die personifizierten Anti-Thesen zu geerdeten Stammwählern, die wissen, was sie wollen und auch so wählen; die eine feste politische Heimat haben und der Bundesrepublik über all die Jahre politische Stabilität verliehen haben. Wechselwähler – sie erscheinen als wankelmütiges Lumpenproletariat der deutschen Politik, die in der Postmoderne jeglichen Kompass verloren haben, weil sie politisch des- und unorientiert sind.
Soweit die antiquierte Sicht auf die Dinge. Wir sehen die Wechselwahl anders. Für uns sind die unentschiedenen Wähler das Salz in der Suppe - ja geradezu die Hoffnungsträger - der Demokratie. Sie sind die Inkarnation des aufgeklärten und abwägenden Stimmbürgers, der sein Kreuz nicht gedankenlos hinter den Namen irgendeiner angestammten Partei macht, sondern kritisch prüft, welcher Kandidat, welches Programm und welche Partei überzeugt, überredet, überragt.
Parteien gefällt dieser Trend naturgemäß wenig bis gar nicht, intensiviert er doch den Kampf um die wählenden Köpfe und verringert parallel dazu die politischen Sicherheiten. Dennoch ist dieser Trend unabänderliche Realität. Dies bestätigen auch die Politologen des Landes. Sie sprechen – in wissenschaftlich akkuratem Jargon – von einer Wahlentscheidung, die sich zunehmend an Performanz-Kriterien ausrichtet. Will heißen: Parteien und ihre Protagonisten werden nicht mehr blind gewählt, sondern ihre Leistungen werden kritisch auf den Prüfstand gestellt.
Fakt ist: Wechselwähler werden mehr und sie werden wichtiger in unserer Demokratie. Bei der letzten Bundestagswahl 2005 gaben immerhin 28 Prozent der Wähler einer Partei die Stimme, die sie 2002 (noch) nicht gewählt hatten. Diese Wähler sind natürlich keine frei floatenden politischen Wesen. Der Wille zum Wechsel findet selten über die Lager hinweg – hier bürgerlich, dort links-progressiv – statt, sondern zumeist innerhalb einer politischen Denkgemeinschaft. Oft bleibt er auch auf halbem Wege stecken und äußert sich im beliebten Ticket-Splitting zwischen Erst- und Zweitstimme.
Der schwerelos im politischen Raum schwebende Wähler ist also (noch) die Ausnahme. Aber auch diese Gemeinde der völlig Heimatlosen wächst. Immer öfter treffe ich in letzter Zeit auf Bekannte, die nicht wissen, ob sie grün oder gelb, rot oder schwarz wählen sollen. Die Frage taucht unweigerlich auf: „Kann das denn sein?“ Die Antwort: „Ja, warum denn nicht?“
Wir zitieren hier den großen Publizisten Sebastian Haffner, der in den 1970er Jahren in seinen Überlegungen eines Wechselwählers schrieb: “Gäbe es keine Wechselwähler, dann wären freie Wahlen im Ergebnis vorhersagbar. [...] Es ist der Wechselwähler, der dafür sorgt, dass eine regierende Partei nicht übermütig oder müde wird und eine opponierende nicht verbittert oder demagogisch.” So be it!
Bislang wechselt nur die Stimmung, noch keine Stimmen. Die aktuell hohen Umfragewerte für die FDP, bedürfen angesichts des Paradoxon, das trotz offensichtlichem Versagen freier Marktmechanismen das alte Programm der Freidemokraten als Antwort taugen soll, einer Erklärung.
“Obwohl die FDP immer noch das gescheiterte neoliberale Evangelium voller Inbrunst predigt, steht sie dennoch in den Umfragen so gut da wie nie zuvor.” (Süddeutsche)
Die Süddeutsche versucht sich dem Phänomen zu nähern und nimmt dabei die Gefahr, die durch den zu beobachtenden “Swing” auch SPD und Grüne betreffen könnte, in den Blick. Wechseln die Rot-Grünen zur FDP, was meint Ihr?
Wir gründen die Wechselwähler-WG und suchen sechs junge Leute.
Du weißt noch nicht, wem Du am 27. September´09 Deine Stimme geben wirst? Dann bewirb Dich für die Wechselwähler-WG.
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