Die Briefwahlunterlagen für die Kommunalwahl liegen auf dem Tisch parat und der Koffer wartet darauf gepackt zu werden: mit einer Woche Verspätung ziehe auch ich jetzt in unsere Wechselwähler-WG ein. Fernab von Köln, wo sich die Parteien vor Ort mit vielsagenden Wahlaussagen („Köln kann‘s“- CDU; „Köln kann‘s besser“ -SPD; „Köln kann mehr“- FDP) für die Kommunalwahl am 30. August profilieren, möchte ich mich in Berlin auf die Suche nach einer politischen Heimat begeben.
Beim offiziellen Start in den Wahlsommer´09 waren am vergangenen Wochenende auch die Wechselwähler aus der WG dabei, um sich und ihr Projekt zur Bundestagswahl vorzustellen. Zusammen mit den Netzdemokraten hatten insgesamt 10 politische Initiativen und Gruppen zu dem Event geladen, darunter auch unser Medienpartner politik.de mit Kamera-Team:
Zum Auftakt der heißen Phase im Bundestagswahlkampf besuchte Katja Kipping (DIE LINKE) am Sonntag die Wechselwähler-WG. Die Kamera von politik.de hat die Begegnung zwischen der Politikerin und den Bewohnern eingefangen:
Für den ersten Eindruck soll das reichen. Die WG-Bewohner werden Katja Kipping am Sonntag sicherlich mehr Redezeit einräumen und sie mit Fragen aus der Deckung locken.
Als ich von dem Projekt “Wechselwähler WG” das erste mal hörte, war alles noch sehr vage für mich. Was wollen die? Was könnte meine Aufgabe sein? Aber mein Interesse war geweckt: ich interessiere mich für Politik, schon durch meine Erziehung- meine Mutter hat für verschiedene Zeitschriften im redaktionellen Bereich gearbeitet, und das Thema Integration wurde bei uns groß geschrieben. Der Stiefvater Journalist und Soziologe- naja, das prägt eben.
Allerdings ging ich zunächst in Rebellion zu Intellektuellen, die waren mir zu verkopft und nicht “Strassennah” genug.Heute kann ich mit Abstand auf diese Phasen schauen und bin nicht mehr so leicht beeinflussbar. Was mir wichtig ist: ich möchte meine politischen Einstellungen überprüfen. Sind die eigentlich fundiert, oder folge ich seit Jahren blind irgendwelchen Klischees? Hierin sehe ich meine Aufgabe für die WG. Lupenarbeit. Themen die mich angehen habe ich genug: Familienpolitik, Finanzpolitik, Kulturressort - um nur ein paar zu nennen.
Ich schaue mich also um, und was sehe ich? Wahlplakate! Lustige, bunte, humorvolle Wahlplakate. Ich bin erfreut. Da ich hauptsächlich im Wahlbezirk Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin herumgurke, habe ich das Glück mir kreative Plakate anschauen zu können und nicht den langweiligen Einheitsbrei. Werfen wir doch mal einen Blick darauf:
SOCIALIST, Baby! Nach dem ich erst mal über den Slogan “mit Arsch in der Hose in den Bundestag” sehr gelacht habe, kam ein Fragezeichen. Was soll das heißen? Das Männer keine Ärsche haben (juchhu als Frau in den Bundestag!)? Oder das man mit Arsch besser denken kann? Ist Mann bzw. Frau dann weitsichtiger, klüger, der/die bessere Politiker/in? Und was tut dies Hinterteil für uns? Für die Gesellschaft? Fragen über Fragen! Aber zumindest erregt es Aufmerksamkeit, und ein herzhafter Lacher am Morgen ist mir symphatisch.
7. August 2009 um 19:11 Uhr von Christian Hochhuth
Passend zum Konzept der Wechselwähler-WG, die in regelmäßigen Abständen Politiker an den Küchentisch einladen wird, hat die Wahlgang09 einen Kinospot veröffentlicht, in dem ein Politiker zum Bewerbungsgespräch eingeladen und mit kritischen WG-Bewohnern konfrontiert wird.
Lassen die WG-Bewohner ihn rein? Welche Politiker sollen unsere Bewohner in die Wechselwähler-WG einladen?