Der Prinz von Eschnapur
7. September 2009 um 12:20 Uhr von ChristineMartin Lindner zu Besuch in der Wechselwähler WG.
Leger in Jeans und in Persona jünger wirkend als auf den Plakaten, erscheint mir Herr Lindner wie eine Kopie von Guttenberg. Souverän, streng, trotzdem irgendwie jung geblieben. Er stellt sich vor, und macht dabei den Eindruck, als Frage er sich wie er hier landen konnte.Anders als bei den Damenbesuchen von SPD und Linke, macht Herr Lindner nicht den Anschein, als wolle er uns umwerben. Er wirkt nervös, gut kaschiert mit dem Hauch der Überlegenheit. Keine Frage, den Hochstatus hat er drauf. Das ist schön, fordert es doch auf, sich ebenfalls ernst zu nehmen und kritisch zu bleiben. Die erste Aufgabe ist das WG Aufnahmegespräch, wir dürfen ihn zu seiner WG Tauglichkeit befragen. Das fällt ihm schwer, spielen ist nicht sein Ding, bei einer einfachen Frage driftet er ab in politisch Grundsätzliches. Dann bitten wir ihn, dass Steuerkonzept der FDP bildlich umzusetzen. Er stöhnt “muss das sein”. Er rafft sich aber trotzdem aus und ich finde sympathisch, dass er nicht so tut, als mache ihm das Spass. Er schreibt das Steuerkonzept in drei Sätzen auf, eine noch knappere Zusammenfassung, der knappen Ausführung im Deutschland Programm (in der kurzen Version). Weniger Steuern, dafür mehr einsparen bei den Ausgaben. Z.B. der Entwicklungshilfe. Dies finde ich besonders interessant, in Anbetracht dessen, dass die FDP auch abrüsten will. Ich frage, ob es nicht ein ganzheitliches Denken geben solle, im Sinne von: Investition in Entwicklungshilfe= PrÃvention von Konflikten=abrüsten. Er stimmt mir soweit zu, sagt aber, die Mittel werden falsch eingesetzt, man solle Entwicklungshilfe mehr im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe einsetzten. Soweit so gut, wie denn nun aber gespart wird, wenn man Entwicklungshilfe Form A kürzt und in Entwicklungshilfe in Form B fliessen hat sich mir nicht erschließen können. Ansonsten will die FDP sparen durch Bürokratie Abbau. Hier schreie ich kurz: JAAAA! (natürlich nur in meinem Kopf, ich will ihn ja nicht verschrecken!)
Ansonsten folgten fast nur noch Neins meinerseits. Handel stärken, damit Entwicklungsländer sich entwickeln können. Wenn wir nur lange genug warten, erhebt sich schon die Unterschicht. Kinderarbeiter, tja traurig, aber teil der Evolution (????), dat wird schon: NEIN!
Mindestlöhne verhindern Arbeit, wer eben nicht genug zahlen kann- das muss man doch verstehen: Nein! Denn wenn z.B. ein Gastronom nicht das erwirtschaftet, was er braucht um die Ausgaben zu decken- und dazu gehören faire Löhne- dann hat er ein konzeptionelles Problem und sollte überdenken, ob sein Konzept eine Daseinsberechtigung hat. Warum soll das die Kellnerin ausbaden und noch einen zusätzlichen Job annehmen müssen, am Ende noch schwarz, damit es sich lohnt?
Die FDP war vorher schon nicht die Partei meiner Wahl, seit gestern ist sie außer Konkurrenz gefallen. Was mir fehlt: der ganzheitliche Gedanke. Die moralische Verantwortung gegenüber Dritten, durch die wir, bzw. unsere Gesellschaft sich bereichert, die Idee der gesellschaftlichen Verpflichtungen auch gegenüber sich und anderen.
Klar, 41 000 € Steuerfrei für eine vierköpfige Familie hört sich toll an. Aber dafür diese, für mich, Grundprinzipien über Bord zu werfen geht gar nicht.
“Wir brauchen eine soziale Marktwirtschaft”? Wo die Sozial sein soll, keine Ahnung. Herr Westerwelle als Außenminister gäbe für mich seit gestern eine gute Halloween Verkleidung ab.










Lade...



Am 7. September 2009 um 17:21 Uhr
Wer oder was ist dieser Eschnapur?
Am 7. September 2009 um 19:32 Uhr
Eschnapur ist ein Ort in einem Film, irgendwo in Indien gelegen. Der Film heißt “der Tiger von Eschnapur” (1.Teil). Das ist ein Abenteuerfilm, der in Indien und Deutschland gedreht wurde, von Liebe, Verrat, Geld, Handel, und Bauaufträgen handelt und da wir in unserem Gespräch mit Martin Lindner immer wieder auf Indien kamen, hat dies einfach eine Assoziationskette ausgelöst hat, die bei dem Titel “der Prinz von Eschnapur” endete. Im Gegensatz zu Frau Högl und Frau Kipping, hatte Herr Lindner durchaus etwas von einem jungen, aufstrebenden Prinzen, findest du nicht?
Am 8. September 2009 um 05:52 Uhr
Fand die Bezeichnung Prinz auch ziemlich passend, nur das zugehörige Reich war mir schleierhaft, aber das wäre jetzt auch geklärt
Am 21. September 2009 um 19:29 Uhr
Ein prima Umgang mit KandidatInnen, fair - dabei keineswegs mit der eigenen Meinung hinterm Berg! (Einzig die Phrase “Bürokratieabbau” hasse ich zutiefst: Gibt’s nicht genügend Länder auf der Welt, wo höchst “unbürokratisch” mangels effektiver Bauvorschriften die Häuser beim Erdbeben einstürzen, eben wie Kartenhäuser? Also bitte, “Öffentliche Dienste verbessern”!)Insgesamt: gratuliere, hervorragend, Wechselwählerin Christine!